Gerade geht die Sonne auf – am Horizont. Im Wald ist alles noch so grau und still. Die Wipfel stehn wie Zinnsoldaten – starr. Kein Tannenzapfen fällt und auch kein Blatt. Im Forsthaus reißt der Sepp die Türe auf und schreit, dass sich der morsche Balken biegt: „Zu Hilfe, unser Wolpertinger fehlt, gestohlen unser größtes Heiligtum!“
Der Wind fährt grußlos durch die schmale Gasse, Und Schritte klappern auf dem alten Pflaster. Ein Schatten huscht gar düster um die Ecken, so dunkel, trotz der leuchtendroten Strahlen. Man munkelt, nur die Ketten hängen noch an Ort und Stelle. Immer noch, jedoch, den Förster hat’s erwischt, er liegt am Tische, wo sonst der Wolpertinger friedlich stand.
Die Alma rennt hinab den Weg zum Bache, entlang zertrampeltem Gestrüpp und Gras. Ein Rabe schreit entsetzt und fliegt von dannen. Dort steht ein Fahrrad, links am Apfelbaume, ein Mann flieht hurtig mit dem Boot vom Franz. Im Wiesendickicht bei der großen Ulme, da steht der Wolpertinger, heil und glücklich. Daneben steht die schöne Wolpertingerin.
Vom Täter aber, ward nie wieder etwas gehört oder gesehen!
ein sehr mysteriöser Fall, wie mir scheint. Wer hat den Förster erwischt? Der Flüchtende oder gar der Wolpertinger selbst? Die Motivlage ist recht undurchschaubar. Es wird schwer sein, den Fall aufzuklären. Da bahnt sich ein amüsanter Langkrimi an.
tatsächlich hatte ich zuerst einen 4-teiligen à 10-zeiligen bayerischen Blankverskrimi. Hat mir aber dann nicht mehr gefallen. Da ist nur noch der Wolpertinger davon übrig.
Danke für deinen Kommentar - und ja, vielleicht ergibt sich irgendwann eine Fortsetzung.
das alte Problem der ungeschlechtlichen Fortpflanzung des Mischwesens stellst du hier in Frage durch die Einführung eines weiblichen Exemplares, von dessen Existenz ich bisher nichts wusste. Danke für diese Wissenserweiterung…
du bist eindeutig eine sehr lebhafte Geschichtenerzählerin. So auch in diesem Krimi aus dem ländlichen Milleu. Bei mir läuft geradezu ein Film ab, lese ich deine lebhaften Blankverse. Sätze wie: "Der Wind fährt grußlos durch die schmale Gasse," sind sehr poetisch und geben deinen Versen lyrische Tiefe. Da gefällt mir sogar das Genre Krimi .
ich schließe mich Sandrelings Kommentar an. Auch mir gefällt diese Zeile des grußlos fahrenden Windes besonders gut und ich unterstreiche voll und ganz seine Aussage, dass er dich für eine Geschichtenerzählerin hält. Wenn ich deine Texte lese, bin ich sofort in einer Szene, dieses Mal aus dem vorhrigen Jahrhundert, und folge gebannt dem Verlauf der Geschichte. Ich merke, dass ich mich dringend einmal mit der Figur des Wolpertingers auseinandersetzen sollte.
Herzliche Grüße und danke für die spannende Aufgabe.
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