regnet herrisch abertausende tropfen auf ausgelaugte erde die festgetrocknet abperlt tropfenschwärme sammeln sich zum absturz im bächlein vor der tür
minutenschnell wächst ein reißender strom und schießt mit aller gewalt durch die straßen unserer stadt durch häuser und ställe über wiesen und äcker reißt alles mit
einen fingerbreit unter der oberfläche sinkt trockenheit in die tiefe und verdorrt
deine tiefsinnige Sommerszene beschreibt das, was viele Menschen heutzutage leider immer wieder erleben und erleiden müssen. Du wählst sprachlich geschickte Gegensätze aus wie:
Zitat von Clara im Beitrag #1tropfenschwärme sammeln sich zum absturz im bächlein vor der tür
Das verstärkt die Gewaltigkeit der Wassermassen, obwohl alles mit ein paar Tröpfchen begann. Deine abschließenden drei Zeilen finde ich besonders stark. Sie verwirren mich auch, da die Trockenheit "sinkt", anstatt des Wassers. Hier:
Zitat von Clara im Beitrag #1einen fingerbreit unter der oberfläche sinkt trockenheit in die tiefe und verdorrt
bin ich unsicher, ob es nicht .."einen Fingerbreit unter DIE Oberfläche" heißen müsste?
danke für deinen ausführlichen Kommentar. Was meine letzten drei Zeilen meinen: Der Grundwasser spiegel sinkt, trotz schwersten Regenfällen. Der Regen dringt nicht mehr in die Tiefe, das Wasser versickert nicht, sondern fließt weg. Wo kein Grundwasser, da keine Nahrung für die Pflanzen und irgendwann wird das Trinkwasser knapp. Bei uns war schon mehrmals in den letzten Jahren verboten, den Rasen, den Garten, den Fußballplatz des Ortes zu gießen. Wasserknappheit. Trotz gelegentlicher Starkregen. Der Boden nimmt den nicht auf.
Hallo Carlino,
ich habe verdorrt, weil es aktiver klingt - lässt verdorren ist mir zu passiv. Danke für dein Lob.
das Problem mit der Verständlichkeit der drei Schlusszeilen kommt daher, dass ein neuer Gedanke auftaucht, der in dieser kurzen Form nicht vermittelt werden kann. Die ersten beiden Strophen sind eine eindrucksvolle Beschreibung eines heftigen Sommergewitters. Soweit so gut. Aber die Betrachtung, warum die Wassermasse nicht zum Steigen des Grundwasserspiegels beitragen ist nicht unmittelbar darzustellen. Wahrscheinlich müsse er auch schon am Anfang angedeutet werden, indem die vorherige Dürre erwähnt wird, wie "Am Tag als der Regen kam"...
Zitat von Clara im Beitrag #1auf ausgelaugte erde die festgetrocknet abperlt
Lieber Thomas,
eigentlich hatte ich es im Text enthalten, dass das Regenwasser nicht versickert, aber vermutlich nicht deutlich genug. Ich mache mir mal Geanken dazu.
mir gefällt dein kritisches Sommergedicht. Die Kleinschreibung bildet einen Kontrast zur Wucht der Wassermassen, die du beschreibst, die Ungereimtheit spiegelt genau das wieder, was uns begegegnet und unterstreicht unser vielfaches Gefühl von Hilflosigkeit.
Einzig bei dem Wort sinken musste ich stutzen und habe mich gefragt, warum. Ich glaube, es liegt daran, dass Trockenheit eindringt und nicht einsinkt und ob dieses Widerspruches war ich irritiert. Und ob der Tatsache, dass die Trockenheit ja bereits eingedrungen war, bevor die Wassermassen kamen. Also erst kam die Trockenheit und dann das Abperlen an der Oberfläche - vielleicht ist es auch das, was mich nachfragen lässt. Wie bist du darauf gekommen, es so zu schreiben?
Herzliche Grüße und hier regnet es immer wieder schwallartig, als müsse sich der Himmel beständig übergeben...
ich wollte ja noch etwas ändern und verdeutlichen. Mein Kopf war die Tage woanders. Ich hole es aber noch nach.
Ich wollte damit z.B. andeuten, das der Grundspiegel sinkt, dass die Dürre nicht mehr nur bei Hitze an der Oberfläche bleibt, sondern immer tiefer geht, dass sich das Erdreich verdichtet und das viele Wasser einfach wegläuft und nicht mehr in den Boden dringt.
Ich muss mal sehen, wie das im Gedicht deutlicher herausarbeiten kann.
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