Sonnenlicht trifft Leichtigkeit im Juli, dachte sich Ottilie und pflückte eine weiße Lilie als Gruß für ihren flotten Fritz, der ohne Hut - das ist kein Witz - mit kahlem Kopf bei Sommerglut Getreide auf den Hänger lud.
Die Lerchen sangen unaufhörlich, es roch noch nach der letzten Mahd, die Luft stand still, als Fritzchen ehrlich Ottilie um ihr Händchen bat.
Zehn Sommer später stand sie still am Rand des Feldes, wieder schwanger, die Kinder spielten auf dem Anger, es schmorten Würstchen auf dem Grill.
Fritz war vor Wochen schon verschwunden, er war des Dreschens müd geworden, da stand sie nun mit ihren Wunden und blickte sehnsuchtsvoll gen Norden, als plötzlich sich am Himmelszelt ein Blitz kurz zeigte, unverstellt, gefolgt von einem Donnergrummel.
Sie schloss die Augen, spürte Tropfen an ihre Augenlider klopfen und da verstand sie, die Ottilie, wie glücklich Sommer machen kann. Sie dachte an die weiße Lilie und träumte sich ins ferne Sylt, als justamente George im Kilt sie heftig zu umwerben begann.
Viele Sommer später, Lerchen sangen, Enkelkinder lachten, sprangen auf geballtem Heu umher, seufzte sie und sagte schwer: “ Sonnenlicht trifft Leichtigkeit, wo ist sie hin, die leichte Zeit?”
Als ein Rascheln im Getreide leise ihr ein Lächeln schenkte, weil ein Spitzmausvater seinen schlanken Hals verrenkte, um nach seiner Mäuseldame schmachtend, sehnend Ausschau zu halten, musste O. an Georgie denken, ihren Georgie mit den Falten, mit den knackenden Gelenken, der im letzten Sommer starb und bis zuletzt noch um sie warb.
Das gefiel der Lenz- Ottilie, die romanzensüchtig war. Heute liegt die weiße Lilie zwischen Rosen, rein und klar.
Es ist Sommer, Lerchen singen, Kirchturmglocken läuten, klingen, Gedanken schweifen gen Altar mit Leichtigkeit - wie wunderbar!
da ist dir wahrlich eine schöne Geschichte des Sommers gelungen. Deine gereimten Zeilen nehmen mich rückblickend mit in das Leben einer Frau, die schon viel erlebte, aber auch einiges erlitten hat. Und dennoch, der Sommer ist anscheinend zu jeder Lebensphase in der Lage als Neuanfang mit uns durchzustarten und uns etwas Leichtigkeit zu schenken. Dein Gedicht hat Herz und Humor, das gefällt mir besonders. Ein schönes Ergebnis, liebe anna.
dein Gedicht erzählt mit viel Wärme und lebendigen Bildern eine berührende Lebensgeschichte voller sonniger Erinnerungen, aber auch mit Schmerz und Verlust. Die wechselnden Sommerbilder fangen die Vergänglichkeit und die Schönheit des Alltags ein – von der jugendlichen Leichtigkeit bis zur ruhigen Reflexion im Alter. Besonders gelungen finde ich den feinen Humor und die kleinen Details, die Ottilie und Fritz so lebendig machen. Du hast hier ein stimmungsvolles, liebevolles Portrait, das Sommergefühle und Lebenserfahrungen kunstvoll verbindet.
Lieber Sanderling, liebe Clara, lieber Thomas und lieber Carlino,
ich danke euch für eure Rückmeldung. Gabi hat mich zu diesem Gedicht inspiriert, nachdem sie sich etwas Heiteres hier wünschte und dem bin ich nachgekommen. Interessanterweise hatte ich in Gedanken Ottilie am Ende sterben lassen und sah ihren Sarg geschmückt mit weißen Lilien am Altar stehen. Und trotz der Trauer schwebte die Leichtigkeit durch das Kirchenschiff. Aber ihr habt anscheinend Altar mit Hochzeit verknüpft und dachtet, dass sie nun endlich ihren George im Kilt heiratet...
Wie auch immer - es freut mich, dass die Interpretation offen bleibt und somit mehrere Verständnisebenen zulässt.
Liebe Grüße, auch an Herrn Meyer... du darfst ihm berichten, Ottilie wird auferstehen und weitere Abenteuer erleben!!
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