Das Morgennahen schleiert marmoriert, ein spaltbreit kühles Nass leckt mein Gesicht und während sich die wache Nacht verliert, verraucht verhaucht das warme Kerzenlicht. Wie achtlos hingeworfne Teppichflicken, verschmutzt, verschmiert und jahrelang traktiert, so liegt der Weg, den meine Augen blicken. Kein Horizont, der sich mit Lächeln ziert.
Der Dauerregen drückt ans Fensterglas, ein junger Baum beugt sich der Windgewalt, wo eben noch ein schwarzer Vogel saß, verliert ein grünes Blatt den Lebenshalt, es tanzt nun wie im Taumel hoch und nieder, hinab zum grauverhüllten Buchenwald. Ermüdet schließe ich das Fenster wieder, der Tag zertröpfelt dunkel - es ist kalt.
Er war nie Schutz genug, der kleine Schild, er stand uns nah, doch viel zu weit entfernt. Wir haben uns genossen, zart und wild geliebt, jedoch die Liebe nicht gelernt - nur unsren Hunger und den Durst gestillt. Mit dir ist auch dein süßer Duft gegangen und mir blieb lediglich das Abendbild: Der Regen hatte eben angefangen, als deine Silhouette Ferne fing, dein langer Schatten aber langsam ging.
Lieber Stefan, fein verwebst du die Stimmungen eines kalten Regentages, die geschundene, vergängliche Natur, mit einer vergehenden Liebe und der leidenden Seele. Das gefällt mir sehr,sehr gut. LG Heike
Liebe Heike, du hast meinen Text mit wenigen Worten sehr gut interpretiert. Danke - und ich freue mich natürlich, dass er dir gefällt. Einen schönen Tag, lG Stefan :-)
Hallo Stefan, die Stimmung und die Aussage sind sehr prägnant ausgedrückt. Die Ausdrücke sind sehr "besonders" gewählt und weichen gewollt von Sprachgewohnheiten ab. Als Gedicht wäre mir die Vielfalt dieser Kreationen etwas übertrieben. Da ich aber annehme, dass es sich um einen Liedtext handelt, ist es wiederum sehr passend, da zu gewöhnliche Formulierungen in der Musik zu schnell untergehen. Besonderst gefällt mir
ZitatWir haben uns genossen, zart und wild geliebt, jedoch die Liebe nicht gelernt - nur unsren Hunger und den Durst gestillt.
Darin verbirgt sich der Kern. Der Text hat was!!! Herzlichst Günter
PS: Entschuldigung, ich sehe eben erst, dass Du es als Lied eingestellt hast.
Lieber Stefan, schöne Bilder, feine Sprache, runder Klang und etwas Melancholie - ein Gedicht ganz nach meinem Geschmack. Dein mit passender Musik unterlegter Sprechgesang gefällt mir sehr gut. Es passt alles wunderbar zueinander. Die Konsonanten am Ende eines Verses, meist das "t", zischen etwas. Mit großer Bewunderung gehört und gelesen! Herzliche Grüße, Heliane.
mir gefällt die poetische Sprache sehr gut, lieber Nachtwanderer. Sie hüllt den bittren Kern des Werkes, eine gescheiterte Beziehung, in ein Weiches. LG von Koko
ich komme erst jetzt zum lesen, sehr gut! Nur eine Kleinigkeit, das "hoch" stört mich ein wenig. Was hälst du davon statt: "es tanzt nun wie im Taumel hoch und nieder, hinab zum grauverhüllten Buchenwald." zu sagen: "es tanzt nun wie im Taumel haltlos nieder, hinab im grauverhüllten Buchenwald."?
lieber Nachtwanderer Dein Gedicht lädt förmlich dazu ein, in die Geschichte zu versinken. Besonders hat es mir die letzte Strophe angetan. Ich frage mich zum Ende: wird nicht das Abendlicht auch ein ganz besonderes Strahlen haben? Ich bin der festen Überzeugung der Duft wird mit dem Abendlicht kommen, selbst wenn man glaubt er ist verloren. Diese Überzeugung festigt sich in mir als ich Deine Stimme und die Hintergrundmusik hören durfte. Fazit: richtig, richtig gut.
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