Fassaden stehen sich grau gegenüber, die Fensterreihen blind, über Asphalt Abgasschwaden. Aneinander vorüber laufen Menschen, die sind wie die Fassaden füreinander blind.
Metrorode
In der Betonwucherung, durchsetzt von Asphaltadern, lebendigen Lemuren und Lärm, verlor sich die Nacht im Tag, der Atem im Rush Hour Smog und das Bewusstsein im Sekundenschlaf.
Etage 93
Hinter Glas, weit unten, die winzige Welt. Individuen verschmelzen in Verkehrsströmen. Die Distanz dämpft Empathie für den Schwarm der Spielzeugfiguren. Und zehn Stockwerke über mir die Presidential Suite.
mir gefallen deine Großstadt-Miniaturen. Eine gute Idee. Die Gegenüberstellung toter Materie und füreinander blinder Menschen zeichnet im ersten Gedicht eine herzlose Stimmung.
Bei Überschrift zwei: "Metrorode", ..stehe ich völlig auf dem Schlauch. Ich spüre eine Verlorenheitsstimmung, und dein Vergleich der Menschheit mit Lemuren, die teils vom Aussterben bedroht sind, passt zu dieser Stimmung. Genial empfinde ich das verlorene Bewusstsein im Sekundenschlaf..., da habe ich übrigens persönliche Erfahrungen. Danach bleibt die Frage: was geschah währenddessen mit mir?
Mit "Etage 93" gelingt dir ein besonders zugespitzter Gesellschaftsvergleich, finde ich zumindest. Die Kluft zwischen Normal- bis Armbürgern und Präsidenten wird über deutlich durch die vertikale Verteilung von Menschen in einem Hochhaus. Und es bleibt die Frage: sind wir nicht alle irgendjemanden Spielzeugfiguren?
Facettenreich gelöst, diese, für mich sehr schwierige Glühbirnen Aufgabe.
die Idee, die Großstadtlyrik auf Miniaturen zu begrenzen, gefällt mir auch, denn daraus besteht für mich eine Großstadt. Aus unzähligen Miniaturen, die sich zu einem großen Ganzen zusammensetzen und die jeweilige Atmosphäre der Stadt prägen. Ein bisschen klischeehaft empfinde ich die Unverbundenheit, die die allen Miniaturen zum Ausdruck kommt. Auch in Großstädten begegnen sich Menschen und Kälte und fehlende Empathie finden sich auch in kleinen Dörfern...Aber darüber denke ich jetzt noch ein wenig nach.
herzlichen Dank. Ich finde, du analysierst es wirklich treffend. Bei der Überschrift hatte ich "Metropole" im Kopf, und gleichzeitig die "Rodung" all dessen, was der Großstadt weichen musste, wie durch die Lemuren am Ende von Goethes Faust II. Wahrscheinlich ist die Zusammenziehung nicht gelungen und ich müsste etwas Besseres finden, dieses auszudrücken.
Liebe anna,
auch dir herzlichen Dank. Es stimmt, auch das Dorf hat Schattenseiten, und ich wollte als junger Mensch niemals in einer dörflichen Umgebung leben. Seit vielen Jahren tue ich es nun und habe dadurch einen etwas anderen Blick auf die Großstadt bekommen. Eines ihrer Wesen ist Entfremdung, fast so wie in sozialen Medien. Das wollte ich ausdrücken.
miniaturhaft arbeitest du in drei Texten die architektonischen Großstadtwüsten und die Auswirkungen ihrer Kälte auf den Menschen heraus. Zwar unabhängig von einander, aber dennoch in der Erkenntnis mündend: Die Distanz dämpft Empathie
Schlüsselwörter wie Asphalt, Beton, Fassaden, usw. verweisen auf das Thema Entfremdung in der Tradition des Expressionismus
vielen Dank für die treffende Charakterisierung. So wollte ich es versuchen.
Paradox ist, dass die nähere "Verbindung" zu größerer Distanz führt, etwas, dass sich in den Sozialen Medien noch verstärkt. Man hat Tausend "likes" und "friend" und ist "connected" bis zum Geht-nicht-mehr, aber wirkliche Freunde und Menschen, die einen lieben (nicht nur liken), sind das nicht: Einsamkeit trotz ungeheurer Vernetzung! Im Dorf ist man nur mit wenigen "Nachbarn" vernetzt, aber man hilft sich selbstverständlich und kümmert sich - bis auf die Ausnahmen, die es immer gibt. Ich erinnere mich, dass ich in der Stadt nicht einmal alle Menschen kannte, die im selben Haus wohnten. Seltsam. Woher kommt das?
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