dein Gedicht bringt eine sehr schöne Idee zum Ausdruck. Die schwebende Verbindung von Buch-Leben und Wirklichkeit, welche auf den Anfang zurückwirkt, halte ich für sehr gut. Leider stören mich ein paar entbehrliche Dinge, welche mir wie eine poetische Manier vorkommen. Dazu gehört die gewollt-falsche Interpunktion. Auch sehe ich keinen Grund, warum das "hat" am Ende fehlt. Wahrscheinlich soll der Text dadurch offen werden, etc. In der letzten Zeile der ersten Strophe ergeben die "faulen Fische" mit dem "Frischgebrühten" zwar ein ff Klang und sogar einen Reim mit "Nebentischen", aber das Bild ist so unangenehm, dass es (mir und vielleicht auch allen sensiblen Lesern) in der letzten Strophe störend wirkt. Schade, denn diese Strophe ist an sich sehr schön. Mir ist bisher leider kein Verbesserungsvorschlag eingefallen. Vielleicht ist es ohnehin besser, wenn du verstehst, was ich meine, und dann selbst nochmals Hand anlegst.
Damit meine Anmerkungen nicht einen falschen Eindruck erwecken, möchte ich nochmals sagen, dass ich den Text wirklich für gut halte und mir die Kleinigkeiten gerade deshalb wichtig erscheinen.
#3 | RE: Zu viel Glück18.05.2015 18:26 (zuletzt bearbeitet: 18.05.2015 18:32)
Priska
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gelöscht
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Hallo Thomas,
tja, was soll ich sagen? Die Idee findest du gut, aber "Kleinigkeiten" stören dich? Naja, ich gehe mal ins einzelne:
Die "gewollt falsche Interpunktion" sehe ich nicht, bis auf den Punkt, den ich grundsätzlich in allen meinen Gedichten nicht setze. Würdest du mir bitte zeigen, wo ich ansonsten falsch interpunktiert habe deiner Ansicht nach?
Das fehlende "hat" in der letzten Verszeile: Hier handelt es sich um die Satzfigur Ellipse (zu der auch das Zeugma und der Apokoinu gehört), die auf das Entbehrliche, in diesem Fall das Hilfsverb "hat", verzichtet. Eine völlig korrekte sprachliche Form, die häufig in der Lyrik benutzt wird und keinesfalls ungewöhnlich ist.
Das "Frischgebrühte" und die "faulenden Fische", dazu eine Frage, Thomas: Muss ein Gedicht immer "schön" und "edel" sein? Ich bin der Ansicht, dass faulende Fische am Ufer eines Sees nichts Ungewöhnliches oder Unerhörtes sind, sie gehören einfach dazu. Warum sollte ich sie weglassen? Dafür gibt es keinen ersichtlichen Grund. Gerade die Gedankenfigur der Widersprüchlichkeit (Oxymoron) zwischen dem Angenehmen (dem Frischgebrühten) und dem "Unangenehmen" (den Fischen) bringt Farbe in das Gedicht, gehört zur Szenerie. Was du als "Sensibilität" bezeichnest, ist in Wirklichkeit, so gesehen, meiner Ansicht nach eher das Gegenteil, denn es akzeptiert die Wirklichkeit nicht, sondern will sie sich schönmalen, zielt unbewusst auf das Sentiment. Und wenn dir das Oxymoron auffällt, dann hat es seine Funktion erfüllt. Aber schön, dass du es erwähnt hast und nicht darüber hinweggegangen bist.
Liebe Priska, gerade die angebliche Widersprüchlichkeit - frisch Gebrühtes und Fischgeruch sowie das "weit entfernte Gläserklirren" und die Vertiefung im Buch - verdeutlichen in so herrlich knapper Form Deine Verinnerlichung und Dein wunderbar empfundenes Glück. Einfach herrlich. Du gibst eine starke Empfindung wider. Ich bewundere Dich. Gruß von klaartext78
ich sehe erneut, dass du viel zu gebildet und kompetent bist für meine naiven Anregungen. Es tut mir leid, dass ich dich damit belästigt habe. Ich werde es versuchen zu vermeiden.
#6 | RE: Zu viel Glück19.05.2015 09:03 (zuletzt bearbeitet: 19.05.2015 09:08)
Priska
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gelöscht
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Hallo klaartext,
nee, mit der Bewunderung habe ich es nicht so. Ist bloß so ein bisschen Bescheidwissen, hinter alles kommt man sowieso nicht. Das kleine Gedicht habe ich kürzlich geschrieben, da war ich am Müggelsee, und es war schön, und dann bricht so ein Gefühl aus einem heraus, das sich in einem Gedichtchen entlädt. Was einem sonst noch so durch den Kopf geht, findet ja gar keinen Platz im Gedicht.
Hallo Thomas,
wie soll ich denn das verstehen - "viel zu gebildet und kompetent für deine naiven Anregungen"? Deine Anregungen sind doch nicht naiv, sie haben durchaus ihre Berechtigung. Das Problem dabei ist nur, dass wir hier unter Autoren von Lyrik sind und auch aus der Sicht von Lyrikern an ein Gedicht herangehen sollten. Was ich zum Beispiel über das Oxymoron geschrieben habe, gehört zum Handwerk des Lyrikers, der ernsthaft Gedichte schreiben will. Und Schreiben ist nun auch mal Handwerk. (Im Vertrauen: Wie jeder Schreibende habe auch ich meine missratenen Texte, die auf Überarbeitung warten). Ich habe es dir aufgeschrieben, damit du dich dafür interessierst. Denn du willst doch ernsthaft Gedichte schreiben, denke ich. Ich fühle mich auch keineswegs belästigt, "belästige" mich ruhig weiter, so kommen wir ins Gespräch und sind auf dem Weg zum Gedicht.
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