temporeich treibst du die Leserin bis zum bitteren Ende - die Pointe kommt prächtig! Die Strophen überzeugen im Kreuzreim fast schlagwortartig; das ist dir wirklich gut gelungen und bringt dein Thema sehr gezielt und knapp formuliert herüber.
Was mich etwas stört sind die Inversionen: S2 V3: dich oftmals zu quälen Das geht gerade noch so durch S2 V4: nicht zu spüren das Leben S2 V5:ein Korsett dir zu wählen S3 V3: ein Denkmal dir bauen
Diese verquasten Sätze passen gut in lustige Gedichte und erhöhen zuweilen sogar die Komik. Bei nachdenklichen Gedichten, wie es deines zweifelsohne ist, würde ich darauf verzichten.
Ein gutes und wichtiges Gedicht (wenn auch mit kleinen Fehlern)! Ich habe mich sehr gerne damit beschäftigt. Herzliche Wochenendgrüße, Medusa.
liebe Medusa danke für Deine Anwort und die Kritik. Mir selbst ist der verdrehte Satzbau noch garnicht aufgefallen. Ich werde mir aber darüber Gedanken machen und eine Lösung suchen.
ich möchte mal ein Wort für Inversionen einlegen. Bei Reim-dich-oder-ich-fress-dich-Gedichten kommen sie oft vor und sind natürlich falsch. Aber sie sind, richtig angewandt, ein gutes Stilmittel, z.B. um einen komischen, oder ironischen Ton zu wählen, wie Medusa schreibt. Aber nicht nur das. Hier scheinen mir die Inversionen angebracht, denn sie passen zu dem "verqueren" Erzählen und sie beginnen folgerichtig erst nach dem "erzähle mich nicht von". Ostseemöwe hat sie wahrscheinlich aufgrund ihres Stilgefühls gewählt (unbewusst, wie sei schreibt). Außer "nicht zu spüren das Leben" dienen alle auch dazu, das "dir" zu betonen, und somit die egozentrische Sichtweise dieser Person, welche Altruismus nur vortäuscht auszudrücken. So erscheint mir das jedenfalls, hoffentlich interpretiere ich da nichts Falsches hinein.
lieber Thomas wie Du schon schreibst, ich schreibe fast immer aus dem Bauch heraus. So ist auch dieser Text entstanden. Ich bin mir sicher, meine Grammatik ist immer noch ein wenig beeinflusst vom Niederdeutschen. Da muß ich eigentlich immer aufpassen, leicht wird ein ironischer Unterton sichtbar. Hier soll er aber wirklich sein. Das Gedicht ist an die Menschen gerichtet, die mir erzählen was sie alles für andere Menschen tun. Sie sind so unendlich Selbstlos . Ich glaube aber, es gibt nicht viele Schwestern Theresa.
das aus dem Bauch heraus schreiben ist genau das Richtige. Im Gegenteil, ich denke es ist eine völlig falsche Vorstellung vom Dichten, wenn man sich das so vorstellt, als würde man einen Inhalte, der einem klar ist, anschließend in seine passende Form kleiden. Nein, das ist ja gerade das tolle an der Poesie, dass sie unsagbares sagen kann.
Das ist die eine Seite. Umgekehrt ist natürlich nicht alles, was als Poesie oder Lyrik bezeichnet wird, insbesondere wenn es sich durch Dunkelheit auszeichnet, wirklich Poesie, sondern man muss sich sehr intensiv mit der Sprache befassen, um gut aus dem Bauch Dichten zu können.
Bei mir war das immer so, dass ich von Gedichten fasziniert war, und dann ganz selbstverständlich fragte: Wie macht der Dichter das mit mir? Etwas so, wie man als Kind selbstverständlich fragt: Wie funktioniert diese Uhr? Und sie dann zum Leidwesen von Vater und Mutter auseinandernimmt.
Deine Bemerkung über das Norddeutsche zeigt ja, dass du Selbstkritisch bist. Das ist gut. Gut sind aber auch (meiner Meinung nach) die Beiträge, die du bisher hier eingestellt hast.
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