Ein Mann sitzt auf ner Bank am Meer und schaut den Winden hinterher. Der Sturm bläst steif aufs Meer vom Land, es färbt sich grau, erstarrt zur Wand.
Wie aus Metall wirkt die von fern, als hätt sie einen harten Kern. Ein leeres Boot vorm Horizont, von grellem Mondlicht fahl „besonnt“, zeigt, unsinkbar im Hochseetest, einbetoniert und seltsam fest, den Rettungsring in rot, weiß, rot beim Totentanz in höchster Not.
Der Mann auf seiner Bank am Meer, der rührt sich nicht, ihn stört nichts mehr. Auf meterhohen Monsterwellen wird wohl das Boot vor ihm zerschellen…
starke Bilder zeichnest du da. Ich werde als Leser sofort im Grau der Wand gefangen genommen. Bereits in den ersten vier Zeilen ist es dir vortrefflich gelungen eine bedrückende Stimmung aufzubauen die du gekonnt, und auch verdichtend, über die weiteren Zeilen weiter entwickelst. Wie selbst zur metallenen Wand geworden nimmt er schließlich, der Anteilnahme unfähig, das schicksalhaften Geschenke des Bootes im Wind regungslos wahr.
Ein Naturphänomen wird zum Ausdruck menschlicher Hilflosigkeit in emotionaler Erstarrung.
Mich beeindruckt dein Text und deine erzeugten Bilder sehr.
dein Bankgedicht ist eindrucksvoll. Der Mann ist im Grunde einbetoniert und schon vor dem Boot mit dem hilflosen Rettungsring untergegangen. Die ironische Sprache gibt dem Ganzen etwas Makaberes. Das Meer ist ambivalent Ausdruck einer Gewalt, der man persönlich ausgeliefert ist oder eine allgemeinen Katastrophe. Die Bank ist verschwindende Nebensächlichkeit. Die Überschrift sagt eigentlich alles.
danke für deine Worte. Du hast den Kern der Metaphorik exakt getroffen: menschliche Hilflosigkeit in emotionaler Erstarrung…
Lieber Thomas,
die Bank und der Mann als Nebensächlichkeiten einer nicht mehr abwendbaren Katastrophe im zubetonierten Blick des Betrachters erstarrt, das ist die Kernaussage, die du richtig interpretiert hast…
Moin, du beschreibst hier ablandigen Sturm bei Mondlicht, vermutlich Vollmond ( Ein leeres Boot vorm Horizont, von grellem Mondlicht fahl „besonnt“ ), eine sehr seltene Wetterkombination, denn bei Vollmond ist es i.d.R. nicht stürmisch. Ein Detail, welches dein Gedicht spannend macht. Da sitzt der Mann also am Meer, auf der Bank, auf dem Deich und alles färbt sich grau, erstarrt zur Wand, wie aus Metall wirkt die von fern, als hätt sie einen harten Kern. Ich denke der Mann sitzt eigentlich in Sicherheit und weiß was zu tun ist, aber er ist fast K.O., alles um ihn herum, dafür steht diese Wetterkapriole, ist nur noch Stahlwand und ihr Kern ist eisenhart. Echt: Trübe Aussichten! Ich habe Bach im Ohr: "ich habe genug" und bete mit einem weiteren Lied, von Galou gesungen: "Erbarme dich mein Gott". Dabei sehe ich den Mann sitzen, auf der Bank, am Meer... An der Küste ändert sich das Wetter schnell, insofern hoffe ich, der Mann bekommt noch besseres Winde, Sonne, Wärme, Strand und mehr... Lg aus Nordfriesland Fietje
unwillkürlich musste ich beim Lesen deines Gedichtes an "Der alte Mann und das Meer" von Hemingway denken. Das innere Gefängnis des Mannes, die scheinbare Ausweglosigkeit und das den Naturgewalten Ausgeliefertsein haben mich sehr berührt. Der Mann auf seiner Bank am Meer, er rührt sich nicht nur nicht, sondern es scheint ihn auch nichts mehr zu berühren, selbst das Besonnte kommt nur in Anführungsstrichen daher.
Und trotzdem : gerade der Anfang lässt mich hoffnungsfroh zurück, denn bevor sich die Wand auftürmt, schaut er fast sehnsüchtig den Winden hinterher ... Es gibt also etwas, dass ihn bewegt und ich würde gerne wissen, was nach dem Zerschellen des Bootes geschieht. Schiebt sich vielleicht eine kleine Hand in die Hand des Mannes und sagt: "Komm..."?
das sind meine Assoziationen beim Lesen deiner Zeilen.
tatsächlich ist der Mann am Anfang noch fast entspannt. Dann aber braut sich etwas zusammen durch ablandige Winde. Das ganze in trostloser Nacht, und du hast recht, „besonnt“ meint das Gegenteil: in fahles, unheimliches Licht getaucht… Hemingways Alter Mann, aber auch der Mönch am Meer von Caspar David Friedrich standen Pate… Nach außen erstarrt, unbewegt und resigniert, nach innen aufgewühlt und trotz allem zur Bewegung bereit, ein kleiner Anstoß, vielleicht das hilflos-hilfreich gereichte Händchen eines noch Hilfloseren reichen aus und es geschehen Wunder…
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