Wenn ich einen Slam verfasse, oder vielleicht besser lasse, muss ich erst mein Ego pumpen. damit ich mich von all den Lumpen unterscheide, die es wagen, bei dem Slam was vorzutragen. Das Thema ist mir völlig schnurz, am besten nen Gedankenfurz, den ich eindrucksvoll gestalte, den Hörern vor die Nase halte, damit sie diesen inhalieren und sich damit identifizieren. Am besten was, was alle meinen, doch muss es recht authentisch scheinen, Vielleicht ne Story von nem Date, wo man sich ständig nicht versteht, sich disharmonisch dreht und wendet und trotzdem in der Kiste endet. Am besten stellt sich dann heraus, die attraktive kleine Maus ist nicht, wie sie so sagt, die Fronie, sondern maskulin und Toni, der seit langem, so ein Mist, bei sich im falschen Körper ist. Die Story ist recht primitiv, doch geb ich mich sehr kreativ. So muss ein Slammer eben sein. Und fällt mir nichts zu slammen ein, les ich im Stakkato-Ton. das letzte deutsche Telefon- Buch vor, -Buch vor und kommentier: Müller, Franz, Dorfstraße vier. Müller, Kurt aus Überlingen, Müller, Max nebst andern Dingen… Dabei spreche ich, sprech ich, stroposkopisch, asynkopisch, rhythmisch aber lyrophobisch. Am Ende stimmt das Publikum im Raum für mich, für mich! Sichtlich freut mein Ego sich. Am Ende stimmt das Publikum: Prima Vortrag, extradumm!
Herzlichen Glückwunsch, dein Poetry-Slam-Schlamm ist eine bittersüße Ironie. Ob Hörer und Leser sich mit deinem Gedankenfurz identifizieren? Vermutlich nicht, aber vlt infiziert es den ein- oder anderen mit Poetiker Influenzia? Haben der Toni und die lyrische Figur noch geheiratet, oder blieb es kurz und disharmonisch? . . . Und fällt mir nichts zu slammen ein, les ich im Stakkato-Ton. das letzte deutsche Telefon- Buch vor, -Buch vor und kommentier: Müller, Franz, Dorfstraße vier. Müller, Kurt aus Überlingen, Müller, Max nebst andern Dingen… Dabei spreche ich, sprech ich, stroposkopisch, asynkopisch, rhythmisch aber lyrophobisch. . . Applaus, Applaus... , bei dieser Stelle stellte ich mir einen Thomas auf der Bühne vor, der jeden Muskel seines Körpers in die Betonungen der Silben warf, tanzend im HipHop-Style.
da hast du ja wirklich kein Slam-Klischee ausgelassen. Und das auf Poetry-Slamisch.
Die Vorstellung, wie im äußersten Notfall das Telefonbuch im Stakkato-Ton vorgetragen wird, hat was. Spätestens bei den Müllers war ich gedanklich auf der Bühne angekommen. Ob die Poetry-Gemeinde nun begeistert applaudiert oder empört die Stirn runzelt, bleibt abzuwarten.
zum Verständnis möchte ich verraten, dass die Aufgabe alte Erinnerungen weckte, als mir jemand von Poetry Slams erzählte, da ich ja auch Lyrik mache, es wäre sicher was für mich, tolle Interaktion mit dem Publikum… Ich war begeistert und habe mich sofort in der Szene umgesehen und auch selbst mitgemacht. Doch die Enttäuschung war groß, nicht nur wegen des allgemeinen Desinteresses an Poesie, sondern auch der Motivation der Akteure. Der Wettbewerbscharakter verstärkt egozentrische Tendenzen. Ich stand der Aufgabe also etwas ratlos gegenüber und ich freue mich, dass das Ergebnis nicht absolut durchgefallen ist.
du hast dich ja ordentlich in Schwung gebracht beim Slamen. In Zeile sieben steht am Ende das Wörtchen "schmutz", du meintest sicher schnurtz oder? Denn nur das ist der gelungene Reim auf Furz. Mit gefällt, wie du in Fahrt kommst, kein Geheimnis daraus machst, dass dir Slamen ein Graus ist. - Mit der von dir mittlerweile geäußerten Erklärung deiner Vorerfahrungen, ist mir dies verständlicher geworden. Auch wenn in diesem Zusammenhang dein anschließendes Wort "extradumm" lautet, und entsprechend deiner Einstellung folgerichtig war, empfand ich es als deine vorherigen Zeilen in ihrer Wirkung schwächend. Das fand ich schade. - Trägst du es uns noch vor?
Liebe Grüße der Sanderling
PS. Was bedeutet Schlämm-Schamm? Ist das auch ein Schreibfehler?
vielen Dank für die Korrektur des Schreibfehlers und dein Verständnis. Das Schlusswort ist etwas hat, aber im Prinzip ok, denke ich. Es bringt halt zu Ausdruck, dass nicht die Schönheit der Kunst geschätzt wird, sondern etwas wie „Comedy“. Und ja, wenn man Slam richtig schreibt ist es Schlämm.
nun ist ja schon alles gesagt über deine köstlich ironische Abrechnung mit den Slams und mir bleibt nur hinzuzufügen, dass ich dir inhaltlich voll zustimme. Schnurz und Furz sind ja bereits geklärt, aber am Titel scheint mir doch noch etwas nicht zu stimmen: Kann es sein, dass du Scham meinst, die uns alle ergreifen sollte, oder meinst du etwa den Schwamm, um die Schlämme aufzuwischen?
hab mir gerade buchstäblich in die Hosen gemacht als ich Deinen Slam gelesen habe danke dafür, hab ja selten was zum Lachen.
Zitat von Carlino im Beitrag #7aber am Titel scheint mir doch noch etwas nicht zu stimmen: Kann es sein, dass du Scham meinst, die uns alle ergreifen sollte, oder meinst du etwa den Schwamm, um die Schlämme aufzuwischen?
Empfinde den Titel genau so komisch wie Carlino es schreibt, also falls ihn ändern möchtest nur zu, ich passe dann die RE's an. Könntest es uns ja noch akkustisch darbieten, wette das wird der Hammer, oder kannst Dich gar nicht so *ergeustern*?
es freut mich, dass du Spaß hattest. Wenn ich den Titel ändere, hast du nur Arbeit damit. Er ist halt etwas komisch, so wie ihn Carlino dann auch genommen hat.
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