Inmitten der Stille fällt mir manches zu, ich hör mich an und spreche im Vertrauen. Gedanken sind ja frei, der Blick zum schauen, inmitten der Stille gibt es kein Tabu!
Ein Wort bringt mich zum fühlen, immerzu, es ist wohl eines von den ungenauen. Inmitten der Stille hab ich zugehauen! Statt Liebe kam der Hass vorbei, wozu?
Inmitten der Stille will ich doch begreifen, kein Zorn soll mich verleiten, sage du wies funktioniert: Was bringt die Frucht zum reifen?
Ich denke Licht- und Wasser: In der Stille umarmt ein Spiel mit warmen Blätterrauschen die Seelen, da beginnt der Liebes-Wille.
ich finde Deine Inspiration des Denkens in der Stille sehr schön Bist Du sicher, dass es in Vers 1, Zeile 2 wirklich spreche in Vertrauen und nicht spreche im Vertrauen heissen müsste?
zunächst fällt natürlich die Form ins Auge. Dein Sonett hältt die wiederkehrende Zeile „Inmitten der Stille“ als eine Art Leitmotiv durch den gesamten Text. Dadurch entsteht ein ruhender Mittelpunkt, um den sich die Gedanken bewegen. Die Stille erscheint nicht nur als Ort von Frieden und Erkenntnis . Die Zeile „Inmitten der Stille hab ich zugehauen!“ kommt etwas überraschend. Plötzlich tritt neben Vertrauen, Nachdenken und Begreifen auch eine dunklere Seite auf. Das macht den Text für mich glaubwürdiger, denn wer ehrlich in sich hineinhört, begegnet nicht nur angenehmen Gefühlen. Das „Zuhauen“ wirkt sehr konkret und körperlich, während die übrigen Bilder eher innerlich und nachdenklich bleiben. Vielleicht ist gerade dieser Bruch beabsichtigt, für mich verändert er jedoch deutlich den Ton des Gedichts.
Auch sprachlich gibt es einzelne Formulierungen, die ich nicht ganz so stark empfinde wie andere. Bei „der Blick zum schauen“ und „eines von den ungenauen“ hatte ich den Eindruck, dass hier die Form den Ausdruck lenkt. Dagegen finde ich die Bilder von Licht und Wasser als Bedingungen des Reifens sehr gut.
Der Gedanken, dass Liebe nicht einfach verordnet werden kann, sondern ähnlich wie eine Frucht bestimmte Voraussetzungen braucht, um wachsen zu können ist richtig gut.
Persönlich würde ich sagen, dass ich die Stelle mit dem Hass ehrlich finde. Sie bringt Spannung in den Text und verhindert, dass er nur beschaulich wird
ich hätte an einigen Stellen kleine Änderungsvorschläge:
Inmitten der Stille fällt mir manches zu, ich hör mich an und spreche im Vertrauen. Gedanken sind frei, der Blick ist zum Schauen, inmitten der Stille gibts gar kein Tabu!
Ein Wort bringt mich zum Fühlen, immerzu, es ist wohl eines von den ungenauen. Inmitten der Stille hab ich zugehauen! Statt Liebe kam der Hass vorbei, wozu?
Inmitten der Stille will ich doch begreifen, kein Zorn soll mich verleiten, sage du wies funktioniert: Was bringt die Frucht zum Reifen?
Ich denke Licht- und Wasser: Inmitten der Stille umarmt ein Spiel mit warmem Blätterrauschen die Seelen, da beginnt der Liebes-Wille.
Zitat von Clara im Beitrag #3Auch sprachlich gibt es einzelne Formulierungen, die ich nicht ganz so stark empfinde wie andere. Bei „der Blick zum schauen“ und „eines von den ungenauen“ hatte ich den Eindruck, dass hier die Form den Ausdruck lenkt. Dagegen finde ich die Bilder von Licht und Wasser als Bedingungen des Reifens sehr gut.
Ja Clara, das zweite Quartett hat nicht die poetische Kraft, die Reimverbindung scheint zu schnell herbeigezogen, was ja häufig beim Sonett zu beobachten ist. Das kleine Feld des Sonetts schränkt die spontane Gestaltung dieser Form doch ein, warum gut komponierte Sonetten auch seltener sind. - inmitten der Stille - xXxxXx - als fortlaufender Ruhepunkt, ist in Betracht der technischen Form des Sonetts eine wohlwollende Beschreibung, aber eben auch ein Bruch der Form. Ich hatte sie bewusst gebrochen, um diese Ruhepunkte zu setzen. Licht und Wasser zu denken, sollte auch auf deren symbolische Bedeutung hindeuten: Licht als das Licht Gottes, Erkenntnis - Wasser als Leben, Reinigung, göttliche Quelle und geistliche Erneuerung. Es fehlt eigentlich noch Luft.
Zitat von Carlino im Beitrag #4Inmitten der Stille fällt mir manches zu, ich hör mich an und spreche im Vertrauen. Gedanken sind frei, der Blick ist zum Schauen, xXxxXxXxxXx (4 Heber) inmitten der Stille gibts gar kein Tabu! xXxxXxXxXxX
Hi Heinz, dieser Silbenlauf wäre mir in V3 zu weit weg von der Sonettform, ich wollte nur Verse mit - inmitten der Stille - als Extravagante zulassen. 5 Heber pro Vers mit Wechsel der Kadenzen. - Die Gedanken sind ja frei - , sollte das bekannte Volkslied mitschwingen lassen: Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten, sie fliehen vorbei, wie nächtliche Schatten. ...
Denken in der Stille
Inmitten der Stille fällt mir manches zu, xXxxXxXxXxX ich hör mich an und spreche im Vertrauen. xXxXxXxXxXx Gedanken sind ja frei, der Blick zum schauen, xXxXxXxXxXx inmitten der Stille gibt es kein Tabu! xXxxXxXxXxX
Ein Wort bringt mich zum fühlen, immerzu, xXxXxXxXxX es ist wohl eines von den ungenauen. xXxXxXxXxXx Inmitten der Stille hab ich zugehauen! xXxxXxXxXxXx Statt Liebe kam der Hass vorbei, wozu? xXxXxXxXxX
Inmitten der Stille will ich doch begreifen, xXxxXxXxXxXx kein Zorn soll mich verleiten, sage du xXxXxXxXxX wies funktioniert: Was bringt die Frucht zum reifen? xXxXxXxXxXx
Ich denke Licht- und Wasser: Inmitten der Stille xXxXxXxxXxxXx --------- umarmt ein Spiel mit warmen Blätterrauschen xXxXxXxXxXx die Seelen, da beginnt der Liebes-Wille. xXxXxXxXxXx
ich werde T2V1 noch mal anpassen, eine Silbe muss weg...
...mir ist schon besseres gelungen...
Zitat von Gabi im Beitrag #2Hi Fietje, ich finde Deine Inspiration des Denkens in der Stille sehr schön Bist Du sicher, dass es in Vers 1, Zeile 2 wirklich spreche in Vertrauen und nicht spreche im Vertrauen heissen müsste?
... natürlich im Vertrauen! Deklinationen sind nicht meine Stärke, ob den/dem, in/im oder wem/wen, da passieren mir oft Fehler. Ich nehme es dankend an und setze es in Q1V2 um, danke. Lg Fietje
es ist eine der schönsten Erfahrungen hier im Forum, dass wir es immer wieder mal erleben, dass andere uns zu neuen Texten, eigenen Bearbeitungen eines Gedanken den wir in einem Text erfassten, aufgreifen und weiterspinnen.
Diesen Impuls zu einem Schreibprozess schätze ich sehr und so finde ich dein Sonett entsprechend anregend. Auch mit seinen Brüchen, an denen auch ich beim Lesen hängen blieb, z.B. der plötzlichen Wut.
Witzig ist übrigens, dass auch hier im Forum die Algorithmen greifen. Als ich gerade meinen neuen Text einstellte, wurde mir deiner im Forum angezeigt. So schließen sich Kreise wieder, ohne dass sich Gedanken darin gefangen fühlten.
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