Er blieb mir fremd, in all der Zeit. Wie waren seine Träume? Und ihre Sorgen flossen weit, sie flüchteten auf Bäume. Was wuchs da noch zur Jugendzeit, wer hat geahnt das große Leid, als SIE mit Hass verdarben, was hoffnungsfroh ein junges Herz sich wünschte doch, im Frühlingsschmerz, als manche Freunde starben?
Der große Sieg fiel einfach aus, was blieb, nur Schuldgefühle. Die Leichtigkeit fand nie nach Haus, Gespenster rückten Stühle. Dazwischen saßen allzeit sie, vereint und einsam wie noch nie. Es kamen dann drei Kinder, sie hatten alles, jederzeit, was blieb, war jene Einsamkeit und der Gespenster Kinder.
du greifst ein Thema auf, welches bis heute sehr oft verschwiegen wird, nämlich das seelische Leid der Generation unserer Eltern. Ich erinnere zwei Arten der Verarbeitung, einmal das von dir beschrieben Schweigen, welches bis kurz vor dem Tod aufrechterhalten werden konnte, und dann diejenigen, die von nichts anderem als Krieg reden konnten, um im Nachhinein zu verherrlichen – die "Der Landser"-Leser. Durch die Kollektivschuldthese traf die Scham auch die Unschuldigen. Das alles ist bis heute nicht wirklich aufgearbeitet, und stößt mir bitter auf, anlässlich des zunehmend inflationären Gebrauchs von Worten wie "Nazi" oder "Faschist". Sie waren es größtenteils nicht, sondern Gefangene eines Systems, in dem sie nur überleben wollten. Viele der wirklich Schuldigen waren anschließend wieder an privilegierter Stelle in Amt und Ehren.
ich kann mich den Worten von Thomas nur anschließen und bewundere, wie du das Thema transgenerationale Belastungen in Reimform gebracht hast. Besonders berührt haben mich dabei die letzten beiden Zeilen, die Verbindung zwischen Einsamkeit und den Kindern der Gespenster.
Zitat von Sanderling im Beitrag #1was blieb, war jene Einsamkeit und der Gespenster Kinder.
Es scheint, als würden sich diese unausgesprochene und unverarbeiteten Erlebnisse unserer Ahnen sich wie Gespenster in unsere Leben schleichen und erst verschwinden, wenn wir sie sichtbar machen. Vielleicht verhält es sich mit diesen Gespenstern aus der Vergangnheit wie mit der Scham: Wenn sie aus ihrem Versteck gelockt wird, verschwindet sie, beide - Gespenster und Scham - scheuen das Licht.
Dein Gedicht bringt mich an dieser Stelle sehr zum Nachdenken und löst viele Fragen in mir aus - vielen Dank dafür.
danke für eure umfangreichen Kommentare. Ich wurde beim Schreiben von einem Hörbuch beeinflusst, was ich gerade hörte: "Meine Mutter". Das zweite Buch von Bettina Flitner welches ich hörte, das erste hieß "Meine Schwester". Der Inhalt lud mich geradezu ein mich in diese Zeit-Stimmung zu versetzen, und so habe ich mich, zugegeben etwas mühsam, an das Reimschema von Schiller herangetastet. Die zweite Strophe lief aber fast wie von selbst, womit ich dann auch das Thema der transgenerationalen Belastung einfing. Inhalt und Reimform haben mich geführt, so kam es dann zu dem besonderen Schluss, den ich auch als markanten Abschluss empfinde. - Danke für eure Rückmeldung.
dein Thema hier ist, wenn ich es recht verstehe, das große Schweigen der Generation unserer Eltern, die nichts aufgearbeitet hat, weder ihre verlorene Jugendzeit wie sie es nannten, noch die Auswirkungen ihrer Taten auf das Leben ihrer Kinder. „Gespenster rückten Stühle“ ist, glaube ich, der Schlüsselsatz… Sie und ihre Nachkommen wurden nach dem verlorenen Krieg quasi zu Zombies. Ihre Kinder hatten zwar alles, was das Materielle anbelangt, aber die Einsamkeit ihrer Eltern übertrug sich auf sie, wegen des Schweigens…
Ein weites Feld, das du hier ansatzweise beackerst…
Danke dafür und herzliche Grüße aus Lüli Karlheinz
der Inhalt meines Gedichtes ist schwere Kost, das weiß ich. Darüber ist die Form glatt in den Hintergrund getreten. Darüber wurde gar nicht mehr gesprochen. Aber, so soll es bei einem Gedicht ja wohl auch sein. Der Inhalt zählt.
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