deine Worte lesen sich wie ein augenzwinkerndes Porträt des Dichters als Überzeugungstäter. Besonders gefällt mir, wie du die Tradition des klassischen Reim-Poeten aufnimmst und gleichzeitig ironisch brichst. Die Reime sind sauber gesetzt und erzeugen genau den Rhythmus, den ein Dichterturm-Bewohner verdient.
Schön ist die Spannung zwischen Pathos und Selbstironie: erst die hohen Ansprüche – Wahrheit, Schönes, Gutes, die Welt durch Dichtung retten –, dann das ganz Menschliche am Ende, wenn Hunger und Müdigkeit das letzte Wort haben. Dadurch wirkt der Text sehr lebendig und zugleich selbstkritisch.
Insgesamt ein stimmiges, amüsantes Gedicht, das die Dichterpose charmant aufs Korn nimmt und sich doch liebevoll zur Poesie bekennt.
ich danke dir sehr für deine liebevollen, wohl gesetzten Worte, die meine Intention aufs klarste und präziseste skizzieren…
Deine abschließende Bewertung, die in den Wörtchen charmant, stimmig und amüsant gipfeln, beschert mir einen spontanen Anflug von rötlichem Schimmer auf beiden Wangen…
auch ich finde den "Gott sei Dank"- Schluss sehr passend, da er die Ironie dieses Gedichtes unterstreicht und den anfänglich eher narzisstisch skizzierten Dichter gleichsam entlarvt. Ich war ja sehr gespannt auf die Lösungen deiner interessanten Aufgabe, wer befasst sich mit welchem Schreibprozess usw... Als ich dein Gedicht las, erschien vor meinem inneren Auge ein Dichter aus dem 17. Jahrhundert - ich konnte förmlich den Staub auf dem Papier riechen....
Claras so treffender Beschreibung kan ich nur vollumfänglich zustimmen.
ich bin mir nicht sicher, ob dieser Dichtertyp wirklich im 17. Jahrhundert anzusiedeln ist. Papier und Staub in jedem Fall, aber trotzdem eher 19. Jahrhundert und vielleicht etwas spitzwegerisch, aber in jedem Fall ein Dilettant im Sinne von Liebhaber oder Amateur…
in der griechischen Bezeichnung „ερασιτέχνης“ steckt übrigens ebenfalls gefallen, etwas lieben und Kunst. Man muss also eine Kunst lieben, um sie gut zu betreiben…
zu schön, wie du Strophe für Strophe dafür sorgst, dass des Lesers Neugierde wächst, auf das , was kommt. Auch wenn dann letztlich das Blatt leer bleibt. Es bleibt dennoch eine schöne und Carlino typische Beschreibung des Weges, voller dichterischer Illusionen.
Schon greift er zum Schreibgerät, doch nun ist´s schon reichlich spät, Hunger spürt er, Durst hat er, wieder mal heißt´s: Blatt, bleib leer…!
Lieber Heinz, das ist mir zu schwammig. Ok, es sind 6 klar- klingende Strophen vorweg, die den Beat quasi vorgeben, aber, S7 hat nicht mehr diese Trittfestigkeit. Da wir es hier mit der höheren Kunst der Poetik zu tun haben, empfehle ich eine Anpassung:
Wahrheit sei sein Grundprinzip, Gutmenschsein sein Hauptantrieb! Reim-Poet des alten Schlages, -wem´s nicht passt, sei’s drum, beklag es! ----- (gute metrische Unsicherheit)
~ Zack, er greift zum Schreibgerät, * Greift ganz schnell zum Schreiberät doch nun ist´s schon reichlich spät, ~ doch es ist schon reichlich spät --- (wäre mit -es- sicherer...) Hunger spürt er, Durst hat er, wieder mal heißt´s: Blatt, bleib leer…!
~ + * sind leider nur Inspirationshappen.
Ich beklagte keine Disharmonie in deinen Versen, ich bin halt ein Dichter des alten Schlages und mag mich auch mit Feinheiten beschäftigen, mit Klangsicherheit und der Qualität der Silbennoten. Hier geht es ja um das >> Wahre, Schöne, Gute <<, das klingt nach Denis Scheck...
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