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Seite: Alexandriner

ALEXANDRINER

Allgemein
Benannt nach dem altfrz. ‚Alexanderroman’ (1180) entwickelte sich der Alexandriner bis zum 17. Jh. zur bevorzugten Versform der französischen Dichtung für alle Gattungen der Lyrik (Epos, Lehrgedicht, Ballade, Sonett ....).
In Deutschland im 16. Jh. eingeführt, entwickelte sich die Form vom 17. bis 18. Jh. zum beherrschenden Vers in Drama und Lyrik. Der Alexandriner wurde später durch den Hexameter und den Blankvers zurück gedrängt.

Form
In Deutschland lockerten sich ab dem 16. Jahrhundert die starren französischen Vorgaben und die Form wurde der Sprache angepasst. Es ergab sich ein jambischer, 6-hebiger Vers (12 - 13 Silben) mit männlicher oder weiblicher Kadenz, fester Zäsur nach der dritten Hebung und Betonung auf der 6. und 12. Silbe, wodurch eine deutliche Zweischenkligkeit entsteht. Diese teilt die Versaussage in Satz und Gegensatz, Bild und Gedanke, Frage und Antwort .....
Schiller: "Die Eigenschaft des Alexandriners, sich in zwei gleiche Hälften zu trennen, und die Natur des Reims, aus zwei Alexandrinern ein Couplet zu machen, bestimmen nicht bloß die ganze Sprache, sie bestimmen auch den inneren Geist dieser Stücke, die Charaktere, die Gesinnung, das Betragen der Personen. Alles stellt sich dadurch unter die Regel des Gegensatzes, und wie die Geige des Musikanten die Bewegungen der Tänzer leitet, so auch die zweischenklige Natur des Alexandriners die Bewegungen des Gemüts und der Gedanken. Der Verstand wird ununterbrochen aufgefordert und jedes Gefühl, jeder Gedanke in dieser Form wie in das Bette des Prokrustus gezwängt."

Bevorzugte Reimformen sind Kreuz- oder Paarreim, aber auch umarmende Reime sind bei vierversigen Strophen beliebt.

Glossar:
Blankvers: Versmaß englischer Herkunft; fünfhebig, jambisch und ungereimt
Daktylus: Dreihebiger Versfuß der Form XxxXxxXxx.....
Hebung/Senkung: betonte bzw. unbetonte Ein- oder Mehrsilbler
Hexameter: Versmaß antiker Herkunft, bestehend aus sechs Daktylen, die durch Trochäen oder Spondeen ersetzt werden können.
Jambus: Zweisilbliger Versfuß der Form xXxXxX.....
Kadenz: Ende eines Verses; klingend (weiblich), stumpf (männlich)
Kreuzreim: Wechselreim ab ab (cd cd) ...
Paarreim: Reimform aabb aabb ...
Trochäus: Zweisilbiger Versfuß der Form XxXxX.....
Zäsur: Ein durch ein Wortende oder eine betonte Silbe bestimmter Einschnitt, meist in längeren Versen.

Beispiel:
Es ist alles eitel (Andreas Gryphius):
Du siehst, wohin du siehst, / nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, / reißt jener morgen ein,
Wo itzund Städte stehn, / wird eine Wiese sein,
Auf der ein Schäferskind / wird spielen mit den Herden.


Hörprobe

Versmaß:
xXxXxX / xXxXxXx
xXxXxX / xXxXxX
xXxXxX / xXxXxX
xXxXxX / xXxXxXx

Alexandriner aus dem Musengarten


Quellennachweis
Wolfgang Kayser: Kleine deutsche Versschule; UTB, ISBN 978-3-1727-3
F.G. Jünger: Rhythmus und Sprache im deutschen Gedicht; Cotta Verlag, ISBN 3-608-95489-9
Chr. Wagenknecht: Deutsche Metrik; CH. Beck Verlag, ISBN 798-3-406-55731-6
H.J. Frank: Handbuch der deutschen Strophenformen; UTB für Wissenschaft, ISBN 3-8352-1732-9



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