#1 Triolette von Heliane 14.03.2014 12:22

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TRIOLETTE

Allgemein
Durch dreimalige Wiederholung der Eingangszeile entstand die Bezeichnung ‚Triolet’ bei der französischen, acht Verse umfassenden einstrophigen Gedichtform aus dem 13. Jh., die bis zum 16. Jh. nach und nach an Bedeutung verlor.
Im 17. Jh. wurde sie als Form des pointierten politischen Gedichts, besonders in adeligen Kreisen, wieder beliebter und es gab neben einstrophigen auch mehrstrophige Triolette.
Deutsche Nachbildungen entstanden im 18. Jh. durch Hagedorn, v.Platen, Rückert ...., bis sich die Form im 19. Jh. nachhaltig als Gedicht- und Strophenform etablierte.

Form
Sie besteht aus acht Versen mit nur zwei Reimklängen, welche die Verse miteinander verbinden. Vers 1 wird als Vers 4 und die Verse 1 und 2 wiederholen sich als Schlussverse, Reimschema: ABaA abAB. Die Verse enthalten häufig vier Hebungen (acht Silben), aber auch Langverse und deutlich kürzere Verse sind nicht selten; die Kadenzen können durchgehend klingend bzw. stumpf oder wechselnd sein.
Die Wahl der Versform bleibt frei, so finden sich Jamben, Daktylen, Amphybrachen oder Trochäen.

Glossar
Amphybrachys: Dreisilbliger antiker Versfuß XxX, der als selbständiges Versmaß nicht belegt ist.
Daktylus: Antiker Versfuß der Form Xxx
Hebung/Senkung: Die leichten, schwachen bzw. kurzen Silben sind meist einsilblig und werden als Hebung bezeichnet; die schweren, starken bzw. langen Silben sind ein- oder mehrsilblig und werden als Senkung bezeichnet.
Jambus: Versfuß der Form xXxXxX......
Kadenz: Ende eines Verses; klingend (weiblich), stumpf (männlich)
Langverse: Zeilen von mehr als 5/6 Hebungen oder Takten.
Trochäus: Antiker Versfuß der Form XxXxXx......

Beispiel
Der erste Mai (F. v. Hagedorn)
Der erste Tag im Monat Mai
ist mir der glücklichste von allen.
Dich sah ich und gestand dir frei,
den ersten Tag im Monat Mai,
dass dir mein Herz ergeben sei.
Hat mein Geständnis dir gefallen,
so ist der erste Tag im Monat Mai
für mich der glücklichste von allen.


Versmaß
xXxXxXxX
xXxXxXxXx
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXxXx
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXx

Aus dem Musengarten


Quellennachweis
Wolfgang Kayser: Kleine deutsche Versschule; UTB, ISBN 978-3-1727-3
F.G. Jünger: Rhythmus und Sprache im deutschen Gedicht; Cotta Verlag, ISBN 3-608-95489-9
Chr. Wagenknecht: Deutsche Metrik; CH. Beck Verlag, ISBN 798-3-406-55731-6
H.J. Frank: Handbuch der deutschen Strophenformen; UTB für Wissenschaft, ISBN 3-8352-1732-9

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