#1 Walpurgisnacht. von Carlino 10.02.2020 05:52

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Walpurgisnacht


Es flimmert fahl. Ein greller Blitz durchzuckt die Nacht.
Die Wolkenwand - ritsch-ratsch - reißt jäh den Vorhang auf
und Sturm peitscht hart die Felsenwand. Ein Weib verharrt,
blickt auf gebannt zum Berg, dann setzt der Regen ein,
und lautes Grollen lässt erzittern ihren Leib.
Ein Blitzstrahl streift den Fels, entflammt das nackte Fleisch...

Sie lacht nur auf und schwingt sich auf den Besenstiel.
Zum Brocken geht’s mit Schwung, auf auf zum Hexentanz!
Auf allen Seiten in den Lüften saust´s und spukt´s,
geritten kommen ganze Scharen, welch ein Traum,
zum Blocksberg eingeflogen, wo der Teufel thront,
dem Ziegenbock zu lecken geil das Hinterteil...

Für Hans Baldung Grien

#2 RE: Walpurgisnacht von Sanderling 10.02.2020 09:00

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Lieber Karlheinz,
was für ein Gedicht. Wow! Rhythmisch gebunden, frei von Reimen und der Wollust und Fantasie freien Lauf gelassen.
Bin neugierig was anna sagt.
Liebe Grüße
der Sanderling

#3 RE: Walpurgisnacht von Carlino 10.02.2020 09:45

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Lieber Sanderling,

dein Lob freut mich sehr! Was die Form anbelangt, hast du schon das Wichtigste erwähnt!

Liebe Grüße aus dem immer noch stürmischen Frankfurt
Karlheinz

#4 RE: Walpurgisnacht von Thomas 10.02.2020 11:08

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Lieber Karlheinz,

wie ich sehe hast du dich bei deinem Gedicht an CFMs "Die Füße im Feuer" orientiert. Ich finde es gut gelungen, obwohl es den heutigen "Freien" wegen des jambischen Charakters wohl suspekt erscheinen wird.

Liebe Grüße
Thomas

#5 RE: Walpurgisnacht von Carlino 10.02.2020 11:58

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Lieber Thomas,

du hast natürlich den Braten sofort gerochen, den du ins Spiel gebracht hast!
Ich bin so frei, dass mich das Getue der Freien nur peripher tangiert...

Liebe Grüße aus Frankfurt
Karlheinz

#6 RE: Walpurgisnacht von Heliane 10.02.2020 12:38

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Lieber Karlheinz,
wie gut, dass ich mich nicht an den Füßen orientierte und bei einer anderen Vorlage Halt machte, die ich allerdings längst nicht so gut umsetzte wie du.

Zitat
Ich bin so frei, dass mich das Getue der Freien nur perifär tangiert...

Mich auch!
Mir gefällt dein Gedicht sehr gut, weil du halt NICHT "auf jegliche metrische und klangliche Bindung" verzichtest.
Sehr gerne gelesen .
Herzliche Grüße aus Berlin, das den vorausgesagten Orkan bis jetzt gut überstanden hat,
Heliane.

#7 RE: Walpurgisnacht von anna a. 10.02.2020 18:10

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Lieber Carlino,

beim Lesen deines Gedichtes habe ich mich tatsächlich gefragt, ob das freie Lyrik ist und ob freie Lyrik sich nur über das bloße Fehlen von Reimen definiert. Da ich selber keine Antwort darauf weiß, möchte ich das gerne hier zur Diskussion stellen.

Ansonsten habe ich natürlich auch sofort an C.F.M. gedacht und seine Füße im Feuer und finde, dass dein Gedicht sprachlich auf mich einen enormen Sog ausgeübt hat.

Herzliche Grüße

anna a.

#8 RE: Walpurgisnacht von Thomas 10.02.2020 18:42

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Liebe anna, lieber Karlheinz,

da es in der Tat keine geschlossene Definition des "Freien Verses" gibt und einige der geläufigen BegriffsBestimmungen (positiv ausgedrückt) recht unscharf sind, denke ich auch, dass dieses Gedicht als frei gelten kann, insbesondere da es einen starken und freien Rhythmus hat, der von den Jamben zwar getragen, aber nicht bestimmt wird.

Liebe Grüße
Thomas

#9 RE: Walpurgisnacht von Carlino 10.02.2020 19:21

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Liebe Heliane,

zunächst muss ich mich korrigieren: ich meine natürlich peripher, nicht perifär oder perifair 😇! Außerdem freut es mich, dass dir das Werklein, trotz seiner Unfreiheiten gut gefallen hat.

Liebe anna,

ich hoffe, der Sog hält noch bis 1. Mai..., dann treffen wir uns am Blocksberg...

Lieber Thomas,

schon beim letzten Versuch habe ich das in folgendem Gedicht ironisiert:


machdichma frei!

kannstema, bitte,
ein pfund
freie lyrik,
bitte!

kannstedoch, bitte,
machma, schnell,
frei von allem,
bitte!

sinnfrei, aber dalli dalli,
frisch von der leber,
is doch machba,
bitte!

ich bin so frei, bitte!
und? frei genug?
was meinst?
nö!

Mehr habe ich eigentlich auch jetzt nicht zu sagen...

Vielen Dank für eure Gedanken und liebe Grüße aus Frankfurt
Karlheinz

#10 RE: Walpurgisnacht von Thomas 10.02.2020 19:32

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Lieber Karlheinz,

ich halte den freien Vers für eine sehr schwierige Form, die für bestimmte Inhalte gut geeignet ist. Falsch wird es meiner Meinung nach erst, wenn behauptet wird, dass es DIE einzige Form sei, in der man heute noch dichten könne. Außerdem gibt es sehr viel Schrott, der sich "frei" nennt, weil er frei von jeglichem poetischen Können ist. Aber mit Form an sich muss man sich ernsthaft auseinandersetzten.

Liebe Grüße
Thomas

#11 RE: Walpurgisnacht von Carlino 11.02.2020 06:33

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Lieber Thomas,

Brüchig

Da kann ich mir
(k)einen Vers
drauf
machen
Umbruch hin
Umbruch her

Liebe Grüße aus Frankfurt
Karlheinz

#12 RE: Walpurgisnacht von Heliane 11.02.2020 10:01

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Guten Morgen Karlheinz,
dein Gedicht aus #9 solltest du unbedingt "richtig" einstellen, dann kann ich es nämlich in dein Werkverzeichnis aufnehmen. Es wäre schade, wenn es hier unwiederbringlich im Orkus verschwände.
Herzliche Grüße aus unserer in der vergangenen Nacht arg sturmgebeutelten Hauptstadt,
Heliane.

#13 RE: Walpurgisnacht von Carlino 11.02.2020 10:53

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Liebe Heliane,

ich danke dir, das ist ein sehr netter Hinweis, aber Gedicht steht ja schon unter freie Lyrik und ist auch schon in das persönliche Gedichtearchiv übernommen. Für das kleine Stehgreifgedicht “Brüchig“ folge ich deinem Rat. Ich stell es sofort unter freie Lyrik ein...

Liebe Grüße aus dem sonnigen Frankfurt
Karlheinz

#14 RE: Walpurgisnacht von Heliane 11.02.2020 10:58

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Lieber Karlheinz,
da kannste mal sehen, wie die Zeit an mir nagt. Habe ich doch glatt vergessen, was ich bereits kopiert hatte .
Dein kleines Gedichtlein schicke ich sofort auf den Weg.
Herzlich,
Heliane.

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