#1 Berufsziel von Thomas 07.02.2019 21:29

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Berufsziel

Es schritt das dürre Mannequin
den langen Laufsteg her und hin,
und dachte: "Ach, wie schön ich bin,
ich esse jetzt bald gar nichts mehr."
So schritt es hin, so schritt es her,
bald blieb mit ihm der Laufsteg leer.



© Ralf Schauerhammer

#2 RE: Berufsziel von Derolli 07.02.2019 22:10

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Hi,

das ist sehr super! Der letzte Vers ist aber irgendwie nicht ganz vollendet, er ist so arg inversiert - heißt das so?!
Was aber aller prächtigst ist das ist das „her und hin und hin und her“ - wundervoll passend bildhaft und überhaupt... das hat was, ehrlich je mehr ich drüber nachdenken tun tu um so genialer empfinde ich es.

Lg

#3 RE: Berufsziel von anna a. 08.02.2019 21:03

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Lieber Thomas,

Ich stimme dem zu. Wie wärs mit: doch nun - nun ist der Laufsteg leer.

Das Einzige , was mich daran stört, ist , dass die Magersucht hier, wahrscheinlich durch das hin und her als Bagatelle daher kommt. Du hast es doch sicher zynisch gemeint, das Gedicht, aber ich konnte es seltsamerweise so nicht lesen und denke darüber nach, warum nicht.

Du hast ein wichtiges Thema hier aufgegriffen, danke dafür!

Liebe Grüße

anna a.

#4 RE: Berufsziel von Sanderling 09.02.2019 05:55

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Lieber Thomas,
als ich dein Gedicht gestern erstmals las, bekam ich noch keinen rechten Zugang dazu. Heute kommt mir der Text runder vor, hast du nochmal was daran geändert?
Mit der Überschrift und der Rubrik hadere ich noch etwas. Ich könnte ihn mir auch unter "Zeitgeschehen" vorstellen. "Durststrecke" als Überschrift, würde das versteckte Leid von Beginn an, vielleicht auch gut darstellen. Alles nur Ideen.
LG
der Sanderling

#5 RE: Berufsziel von plotzn 09.02.2019 11:17

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Lieber Thomas,

das ganze hin und her und her und hin passt perfekt, wie Derolli schon bemerkt hat. Der Reim hin / Mannequin ist zumindest gewagt (es schreitet ja nicht des Mannes Kinn ). Gewagt ist aber auch, was auf den Laufstegen dieser Welt so alles zu sehen ist.

Zum letzten Vers ein Vorschlag: Der Laufsteg blieb selbst mit ihm leer.

Liebe Grüße,
Stefan

#6 RE: Berufsziel von Carlino 09.02.2019 12:25

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Lieber Thomas,

derVorschlag von plotzn ist gut. Noch besser: selbst mit ihm blieb der Lausteg leer

Liebe Grüße aus Lyli
Karlheinz

#7 RE: Berufsziel von Thomas 09.02.2019 18:15

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Lieber Derolli,

vielen Dank für dein Nachdenken und Nachempfinden.

Liebe anna,

zynisch wollte ich nicht sein, sondern ein ernstes Thema (wie in einer Komödie) so "unernst" ansprechen, dass die betroffenen nicht wegdenken müssen.

Lieber Sanderling,

meine Antwort an anna erklärt vielleicht, warum ich es hier eingestellt habe, obwohl es auch sehr gut unter "Zeitgeschehen" stehen könnte.

Lieber Hans, lieber Karlheinz,

danke für die Anregung, aber bei meiner Version gefällt mir besser, dass "ihm" betont ist (und nicht das bedeutungsärmere "mit" ).

Ich möchte nun ausnahmsweise doch noch etwas Inhaltliches sagen. An sich interessiert mich Mode kaum. Mich wundert nur, wie die Modemacher schon ein Jahr vorher wissen können, was den Frauen im nächsten Jahr gefallen wird. Aber vor vielen Jahren saß ich in einem Wartezimmer und nahm aus Langeweile eine dieser Hochglanzmagazine in die Hand. Beim Durchblättern war ich schockiert, denn die Bilder brachten eine sadistische und päderastische Gesinnung der Macher zum Ausdruck, die mich anekelte. Hinzu kam, dass ich später erlebte, wie stark junge Mädchen von solchen Modelsendungen beeinflusst werden, diese wirken sehr stark, fast wie Drogen. Seither kann ich die Bilder von buntbehängten, im Passgang daher stampfenden Laufsteg-Trampeltieren nicht mehr ertragen. Mir tun diese "Meedchen" leid, egal wie viel Geld einige von ihnen verdienen. Bei selbstbewussten Frau, denke ich, sollte die ganze Prozedur dazu führen, genau diese so vorgestellte Kleidung nicht zu tragen.

Liebe Grüße
Thomas

#8 RE: Berufsziel von plotzn 10.02.2019 09:01

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Lieber Thomas,
Hier schreibt Stefan, nicht Hans 😉. Ich dachte, die Schlusspointe bestände gerade darin, dass der Laufsteg auch mit Model drauf leer aussieht, weil man sie wegen ihrer Dürrheit gar nicht mehr sieht. Hast du das anders gemeint?

Liebe Grüße, Stefan

#9 RE: Berufsziel von Thomas 10.02.2019 18:12

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Lieber Stefan,

entschuldige bitte die Namensverwechslung.

Die Po-Ente ist genauso gemeint, d.h. das Model führt sich selbst ad absurdum.

Liebe Grüße
Thomas

#10 RE: Berufsziel von Derolli 12.02.2019 11:15

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Lieber Thomas,

also der Vorschlag von plotzn hat was, denn er kommt einerseits der Alltagssprache etwas näher und andererseits betont der zusätzlich die körperliche Anwesenheit, oder Abwesenheit - ganz wie man es nimmt.

Liebe Grüße
Derolli

#11 RE: Berufsziel von Heike 12.02.2019 20:17

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Lieber Thomas, du beschreibst eine traurige Wahrheit.
LG Heike

#12 RE: Berufsziel von Thomas 13.02.2019 21:59

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Liebe Heike, lieber Derolli,

vielen Dank. Auf Stefans vorschlag habe ich schon (leider unter falschem Namen ) geantwortet.

Liebe Grüße
Thomas

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