#1 Institution. von Carlino 19.02.2018 14:42

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Institution

Am offnen Fenster sitzt die Trude
in ihrer alten Fachwerkbude.
Sie sonnt sich gerne, lehnt sich raus
zum Fenster, blickt auf Mann und Maus...

Und geht wer an dem Haus vorbei,
tönt sie von oben, einerlei,
ob man sie fragt - ob nicht;
ihr Wort im Dorf, das hat Gewicht!

Gertrude lebt schon lang allein,
sie sitzt so gern im Sonnenschein!

#2 RE: Institution von Klatschmohn 19.02.2018 15:03

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Lieber Carlino,

Lustig Dein Gedicht, schrecklich die Frau!

Elfriede dieses Tratscheweib,
hat sonst wohl keinen Zeitvertreib.
Drum kann ich diese gar nicht leiden
und werde sie in Zukunft meiden!

Lieben Gruß, Heidi

#3 RE: Institution von Carlino 19.02.2018 15:33

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Liebe Heidi,

vielen Dank für Deine Meinung! Meine Gefühle sind da etwas andere, deshalb steht es auch unter Liebevolles!

Liebe Grüße vom Dorf
Karlheinz

#4 RE: Institution von Thomas 19.02.2018 17:25

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Lieber Carlino,

ein nettes Gedicht, nur "Wenn jemand geht" stört mich etwas, was hälts du von "Und geht wer an dem Haus vorbei,"?

Liebe Grüße
Thomas

#5 RE: Institut von Carlino 19.02.2018 17:39

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Lieber Thomas,

Danke für die Kritik und den Hinweis! Deine Zeilenvariante habe ich sofort übernommen! So find ich es viel schöner und ich grüße Dich aus Lyli, wo die soziale Kontrolle dank Trude funktioniert...

Karlheinz

#6 RE: Institution von Klatschmohn 19.02.2018 23:01

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Lieber Karl-Heinz,
tut mir Leid, dann entschuldige ich mich hier bei Elfriede, ich wusste nicht, dass Du von einer realen Person gedichtet hattest.
Mit Gruß an sie,
Heidi

#7 RE: Institution von Carlino 20.02.2018 09:20

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Liebe Heidi,

nein, Du brauchst Dich nicht zu entschuldigen, denn Du hast natürlich auch recht! Es kann schon nervig sein, wenn jemand ungefragt andrer Leute Handlungen kommentiert. Andrerseits sind solch unverwüstliche Damen am Fenster eine wichtige, oft liebenswerte Bereicherung der Nachbarschaft, eine Institution, die den Alltag auch erleichtert, das wollte ich zum Ausdruck bringen!

Liebe Grüße aus Lyli über das die gute Trude wacht
Karlheinz

#8 RE: Institution von Heike 21.02.2018 10:46

Lieber Karlheinz, das hast du treffend bedichtet. Ich kenne da auch so ein paar Truden und auch Truderiche. Die sind weit verbreitet. Für viele ist der Fensterblick die einzige Möglichkeit zur Kommunikation. Es wäre schön wenn so mancher Passant ein mal stehen bliebe und ein paar Worte wechseln würde,
was auf den Dörfern auch so ist. Traschen schadet niemanden. Dagegen sind die Pedanten und Anschwärzer, die wegen jedem falsch parkenden Auto oder Jugendtreff, die Polizei rufen, viel schlimmer.

LG Heike

#9 RE: Institution von Clara 21.02.2018 13:20

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Lieber Karl-Heinz,

naja, da ist deine Trude wohl ein netteres Exemplar. Ich kenne auch andere. Da wird dann alles kommentiert und durch's ganz Dorf getratscht und nicht immer zum Bersten der Beobachteten. Da kann man doch drauf verzichten. Andererseits, dass es viele einsame Leute gibt, die irgendwie Kontakt suchen ist unbestritten. Für die würde ich mir mehr nette Ideen und Dorfaktionen wünschen.

Die Idee zum deinem Gedicht ist gut und es ist lustig geschrieben. Gerne mitgeschmunzelt
mit lieben Grüßen
Clara

#10 RE: Institution von Sanderling 22.02.2018 06:53

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Lieber Karlheinz,
auf mich wirkt dein kurzes Gedicht versöhnlich. Eine Institution wird ein Mensch ja unter Umständen durch ganz unterschiedliches Tun, aber eben auch durchs Lassen. Ich gucke "nur", gehört für mich eindeutig zu Aktivitäten. Ich gönne ihr den Sonnen Platz, und Tratschen will auch gelernt sein. Macht Spaß zu lesen!
viele Grüße.
der Sanderling

#11 RE: Institution von Carlino 22.02.2018 09:06

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Liebe Heike,

früher waren die weit verbreitet, jetzt eher am aussterben! In meiner Kindheit waren ältere Frauen mit Kisschen am Fenster in jedem Haus plaziert und sie beobachteten alles und kommunizierten mit den Vorübergehenden. Heute ist das hier gerade mal eine Frau, die zu den ältesten des Dorfes zählt und alleine wohnt.

Liebe Clara,

die haben durchaus ihre Funktion im Dorfleben und verbinden die Nachbarschaft miteinander.

Lieber Sanderling,

ja, versöhnlich, vielleicht sogar ein bisschen dankbar. Die Kälte des Alltags wird durch solche Institutionen gemildert.

Vielen Dank Euch allen für Eure Meinungen und viele Grüße aus Lützellinden, wo es eisig ist, aber die Sonne lacht
Karlheinz

#12 RE: Institution von Ostseemöwe 22.02.2018 15:56

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lieber Carlino
ich habe herzlichst schmunzeln müssen. Oh ich kenne die Trude auch aus meinem Dörfchen.
Toll geschrieben und leider gehöre ich zu der Generation die als Kind und Jugendliche unter diesen Tuden zu Leiden hatten.
Uns Jungvolk wurde immer unterstellt wir würden die Heumieten im Dorf unsicher machen.
herzlich Ilona

#13 RE: Institution von Carlino 23.02.2018 08:08

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Guten Morgen, liebe Ilona,

ich freue mich, dass es Dir gefallen hat und danke Dir herzlich! Ich weiß, was Du mit "Jungvolk" meinst, glaube aber nicht, dass Du noch zur Generation Jungvolk zählst! Vorsicht, der Begriff ist fest definiert!

Herzliche Grüße aus Lyli
Karlheinz

#14 RE: Institution von Ostseemöwe 23.02.2018 09:54

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lach
aber vor vielen vielen Jahren als die Straßen noch mit Kopfsteinpflaster ausgelegt waren und nachmittags der Milchwagen kam und wir uns abends an der Milchrampe trafen, da gehörte ich noch dazu.
Aber spätestens um 20.00 Uhr rief meine Mutter dann aus dem Fenster: Mädels rein kommen, Strümpfe stopfen.
Ich habe sie dafür gehasst!!!

#15 RE: Institution von Carlino 23.02.2018 11:23

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Liebe Ilona,

dann kannst Du Dich auch noch an das Wäschebleichen erinnern und die große Wäsche (Kochwäsche in der Waschküche) alle zwei Wochen mit Vollbad in der Zinkwanne in der Waschlauge anschließend?

Als Junge musste ich zwar keine Wäsche aufhängen, aber die Wäsche auf der Bleiche mit Wasser aus der Gießkanne begießen...

Nicht nur schöne Erinnerungen, aber auch...

Liebe Grüße aus Lyli
Karlheinz

#16 RE: Institution von Heliane 23.02.2018 11:55

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Lieber Karlheinz,
Gertruden gabs (gibt es noch?) auch in der Großstadt. Meist wohnten sie in Parterrewohnungen und lehnten mit Hund oder Katze aus dem Fenster. Manchmal verteilten sie Plätzchen oder Honigbonbons an die Kinder, manchmal schimpften sie, wenns zu laut wurde. Sie kannten jeden im Kiez und wussten alles. Aber sie wussten auch, welches Wissen sie weitergeben konnten und welches sie für sich behalten mussten.
Ich mochte sie. Wenn wir beispielsweise Rollschuh liefen, bedachte "unsere" Trude jede gelungene Figur mit ausgiebigem Applaus .
In S2V3 biste etwas aus dem Rhythmus gekommen .
Sehr gerne gelesen und Erinnerungen wach werden lassen.
Herzliche Grüße,
Heliane.

#17 RE: Institution von Carlino 23.02.2018 15:27

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Liebe Heliane,

auch ich kam mit diesen Tanten, die meist Witwen, also eher Omas waren, immer gut aus! Ich und später meine Familie machte durchweg gute Erfahrungen mit ihnen. Besonders, wenn wir als Eltern mal nicht pünktlich da waren, wurden die von der Schule heimkehrenden Kinder immer aufs beste betreut.

Die Unregelmäßigkeit, die Du zu recht anmerkst, entsteht dadurch, dass die Zeile um 2 Silben kürzer ist, der Rhythmus wird aber, wenn man eine Pause beim Gedankenstrich macht, eingehalten.

Herzlichen Dank für Deine Gedankem und den Hinweis und
liebe Grüße aus Lyli
Karlheinz

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