#1 Der Spieler von Heike 05.02.2018 13:06

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Der Spieler

Es rast sein Puls, das Herz brennt vor Verlangen.
Er fiebert wie im Wahn, von Gier durchdrungen
nach Glück im Spiel, die Sucht hält ihn gefangen.

Die Hoffnung auf Gewinn verdrängt sein Bangen,
die Zweifel sind vom Rausch der Lust bezwungen.
Es rast sein Puls, das Herz brennt vor Verlangen.

Der Einsatz wird erhöht, sein Blick verhangen,
schaut auf die Würfel, wieder ist's gelungen,
das Spiel mit Glück, die Sucht hält ihn gefangen.

Im Freudentaumel ist die Angst vergangen,
ein kleiner Sieg, dem Schicksal abgerungen.
Es rast sein Puls, das Herz brennt vor Verlangen.

Er setzt nun alles, Gold und Silber prangen,
beim letzten Wurf hat ihn das Pech bezwungen.
Kein Glück im Spiel, die Sucht hält ihn gefangen.

Nun schleicht er heim, mit Tränen auf den Wangen.
Die Stimme der Vernunft ist schnell verklungen,
schon rast sein Puls, das Herz brennt vor Verlangen
nach Glück im Spiel, die Sucht hält ihn gefangen.


© Heike Schmidt
Februar 2018

#2 RE: Der Spieler von Sanderling 05.02.2018 14:45

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Liebe Heike,
deine Villanelle wirkt auf mich sehr dicht. Deine Mühe 11 Silben zu füllen scheint nicht durch. Das Thema Sucht und diese Gedichtform empfinde ich als gut gewähltes Duo. Der Druck ist so sehr spürbar.
Ich hänge mich noch etwas am Ende des ersten Satzes auf. Brennt das Herz wirklich VOLL Verlangen oder vielleicht VOR Verlangen? Voll Verlangen empfinde ich eher Umgangssprachlich. Was meinst du?
Sehr spannend und gut geworden!
herzliche Grüße.
der Sanderling

#3 RE: Der Spieler von Cheeny 05.02.2018 15:02

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Liebe Heike,

die Villanelle eignet sich durch ihre Wiederholungen ausgezeichnet, die immer wieder ausbrechende Sucht dazustellen. Auch der Drang und die Not kommen sehr gut rüber. Es dreht sich im Kreis, spult immer die gleichen Szenarien herunter, bis am Ende der Ruin sichtbar wird und das Kartenhauses in sich zusammenfällt.

Gefällt mir sehr gut. Man hält mit zunehmendem Leseverlauf auch zunehmend die Luft an. Gut gelungen.

Liebe Grüße
Clara

#4 RE: Der Spieler von Heliane 05.02.2018 15:04

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Liebe Heike,
da jammerst du wegen der 11 Silben und stellst eine perfekte, wohlklingende und klassische Villanelle ein? Wie das ?
Ich nehme an, es ist deine erste? Glückwunsch, denn einfach ist die Form nicht.
Das "voll" ist auch nicht mein Ding. Wie Sanderling sagt, ist es eher Umgangssprache bzw. Küchendeutsch. Vielleicht magst du es durchgängig mit "vor" ersetzen? Das wäre einen Versuch wert .
Das Thema ist großartig gewählt, wenn auch nicht bukolisch, aber wir haben uns fast alle um die Vorgaben nicht geschert, und das ist gut so .
Ich bekam beim Lesen jede Menge Gänsehäute, auch wenn ich mit Suchtentzug keinerlei Erfahrung habe.
Ilona kann grad ein Liedchen davon singen .
Langer Rede kurzer Sinn: Deine Villanelle ist bestens gelungen und gefällt mir sehr, sehr gut.
Herzliche Grüße aus Berlin,
Heliane.

#5 RE: Der Spieler von Thomas 05.02.2018 15:10

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Liebe Heike,

dem Lob schließe ich mich mit großer Freude an.

Liebe Grüße
Thomas

#6 RE: Der Spieler von Heike 05.02.2018 16:04

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Lieber Sanderling, das nennt man wohl einen Pfosten/Balken vor den Augen haben. Oder Vollpfosten Wem das Dichten keinen Spaß macht der ist selber Schuld !
Ich danke dir sehr für dein Lob und vor allem deinen Rat. Habe ihn sofort umgesetzt. Auch wenn man nicht merkt, wie schwer mir die 11 Silben gefallen sind, war es für mich doch schwierig. Ich hätte auch am liebsten 11/10/11 Silben verwendet. Aber wenn ich die Beschreibung der Villanelle richtig gelesen hätte oder einmal nachgefragt........ja,ja hätte, hätte.

LG Heike

Liebe Heliane, vor lauter Silben ist mir das Küchendeutsch entgangen. Ich habe es schon geändert. Es ist wirklich meine erste Villanelle. Das sie nun doch gelungen ist freut mich sehr. Beim Schreiben habe ich mir die Frage gestellt ob ich Spielsüchtig werden könnte. Ich kann es nicht beantworten, das ist sehr erschreckend, denn ich habe zuerst einmal einiges über das Thema gelesen. Besonders die Spielautomaten sollen schnell süchtig machen. Mich gruselt es bei dem Gedanken, dass nichts wichtiger sein kann als das Spiel und heute geht sowas ja schon über den Computer.

LG Heike

Liebe Clara, ich finde auch das die Villanelle durch die Wiederholungen geeignet ist, die Spielsucht oder Sucht allgemein darzustellen. Zu diesem Thema gibt es ja auch viele gute Gedichte, Bücher, Filme und auch Musik. Eins meiner Lieblingslieder ist, "Der Spieler" von Achim Reichel.
Danke für dein Lob.

LG Heike

Lieber Thomas, ich freue mich das du dich freust du "Kurzkommentierer"

LG Heike


Lieber Karlheinz, danke für den vortrefflichen Volltreffer, du Schelm. Interpunktion.....eine schreckliche Krankheit....., dazu bin ich echt zu dumm.

LG Heike


Lieber Hans, danke für deine lobenden Worte.

LG Heike

#7 RE: Der Spieler von Carlino 05.02.2018 17:40

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Liebe Heike,

ich würde sagen: ein vortreffliche Volltreffer! Das macht süchtig! Einzige Kritik: die Interpunktion muss noch mal kontrolliert werden!!

Liebe Grüße aus Lyli
Karlheinz


Schon geschehen.
Grüßle

#8 RE: Der Spieler von 05.02.2018 18:25

Liebe Heike,

das Thema hast Du gut abgerundet und ausgeführt. Die leichten Änderungen bei den Wiederholungen machen die Aussage deutlicher und dienen dem Lesefluss. Dem Loben schließe ich mich gerne an. Sehr gut.

LG Hans

#9 RE: Der Spieler von Klatschmohn 06.02.2018 09:13

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Liebe Heike,
wie treffend Du doch das Spielerverhalten hier beschrieben hast. Die vielen Wiederholungen der Villanelle erscheinen hier sehr organisch und passend. Ein tolles Gedicht.
Ich kenne hier auch so einen Typen. Er spielt Lotto und so ein Zeugs. Überall hat er schon Schulden gemacht und scheint dennoch nicht aufhören zu können. Manchmal fehlt ihm sogar das Geld zum Leben. Und doch hat er immer wieder Hoffnung irgendwann den großen Coup zu machen. Aber das wird sicher nie geschehen und dennoch hält ihn was. Vermutlich das Adrenalin. Schlimm, was?
Liebe Grüße,
Heidi

#10 RE: Der Spieler von Ostseemöwe 06.02.2018 11:18

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liebe Heike
Nun ja, einen Süchtigen auf Entzug in einer Villanelle darzustellen passt durch die Form und das Wiederholmuster blendend.
Ich glaube, alle Süchtige werden viele gleiche Symptome beim Entzug haben. Denn wann fängt der Entzug an? Jetzt habe ich gelernt, er fängt schon sehr schnell nach der Befriedigung an.
Die Symptome sind tatsächlich Herzbeklemmung, Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen.
Ein wenig ist davon in Deinem Gedicht zu spüren. Ich denke mehr braucht es auch nicht als das was Du aufzählst.
Warum ein Spielsüchtiger so tickt, wie er tickt kann ich nicht sagen. Aber ich kann mir nun, da ich mit dem Nikotinmonster kämpfe vorstellen, wie schwer es ist dieses Monster los zu werden. Da ist im Laufe der Jahre irgendetwas im Gehirn fehl geschaltet. Sich das einzugestehen ist eine Sache, aber körperlich den Entzug durchzuhalten eine andere. Mir hat man gesagt, das Nikotin ist nach 3 bis 5 Tagen aus dem Körper. Aber das Monster im Kopf schreit noch viele Monate nach Nikotin.
So jetzt aber Schluss, ich will Dein Gedicht nicht zu spammen.
Toll hast Du es gemacht
herzlich Ilona

#11 RE: Der Spieler von Heliane 06.02.2018 12:05

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Hallo zusammen,
auch wenn ich jetzt off topic bin, möchte ich etwas hinzufügen: Die Sucht nach Alkohol, Nikotin oder Drogen ist eine Krankheit, weil sie mit Ratten erforscht und wissenschaftlich begründet werden konnten. Spielsucht kann bei Ratten nicht ausgelöst werden, ist also als Krankheit nicht anerkannt. Oder bist du, liebe Heike, besser informiert?
Dein Gedicht macht sehr, sehr nachdenklich.
Wer sich auf Nikotinentzug einlässt kann, wenn er möchte, ärztlichen Rat hinzuziehen, und mit seiner Hilfe die Nebenwirkungen besser in den Griff bekommen.
Herzliche Grüße,
Heliane.

#12 RE: Der Spieler von Cheeny 06.02.2018 12:27

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Hey, ihr Lieben zusammen,

das erwachsene Kind einer Freundin war spielsüchtig. Hat sich um ihre Wohnung, das neue Auto und schließlich um ihre Arbeitsstelle gebracht.
Die hat einen Klinikaufenthalt und eine anschließende Suchttherapie von der Krankenkasse bezahlt bekommen. (Auch ohne Ratten und Mäuse.)

Liebe Grüße
Clara

#13 RE: Der Spieler von Heike 06.02.2018 16:05

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Liebe Heidi, danke für dein Lob. Wie bei jeder Sucht wird neben ihr, alles unwichtig.

LG Heike

Liebe Ilona, ich drücke dir die Daumen für deinen Versuch mit dem Rauchen aufzuhören.
Du schaffst das schon.
Danke für dein Lob.
Ich durfte mal ein halbes Jahr keinen Bohnenkaffee trinken. Da hatte ich Entzugszeichen auf das Koffein.
Man kann von allem süchtig werden und alles spielt sich im Kopf im Belohnungszentrum ab..

LG Heike

Liebe Heliane, Spielsucht ist eine Krankheit und als solche ( eine psych. Störung) anerkannt. Die Betroffenen bekommen wie beim Alkohol und Drogen jede Hilfe.

Liebe Clara, ja genau Spielsüchtigen wird ärztlich geholfen. Es wäre gut wenn man endlich den Schalter im Gehirn finden würde den man zur Heilung umlegen muss.

LG Heike

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