#1 Die letzte Freiheit von Thomas 04.12.2017 06:10

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Die letzte Freiheit

Ach, wie lange schon in Schmerzen lebend
lag sie? "Fliehe vor dem dunklen Grab",
war die Weisung, welche bebend
sie der matten Seele gab,
deren wunde Weise
sehr dem Körper glich;
still und leise,
trennt sie sich
schwebend
ab.




© Ralf Schauerhammer

#2 RE: Weisung von Ostseemöwe 04.12.2017 09:55

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lieber Thomas
schade das Du Dein Gedicht nicht zentriert gestellt hast.
Ganz zurecht komme ich in Deinem schönen Text nicht mit der "wunden Weise".
Magst Du mir erklären wie ich diesen Ausdruck verstehen kann?
Ansonsten mag ich Deine Aussage sehr.

herzlich Ilona

#3 RE: Weisung von Thomas 04.12.2017 10:21

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Liebe Ilona,

das Zentrieren bekomme ich i.A. am Smartphone nicht hin. "Weise" verwende ich im Sinne von "Daseinsweise" oder "Wesensart".

Liebe Grüße
Thomas

P.S.: So, jetzt ist es zentriert.

#4 RE: Weisung von Carlino 04.12.2017 10:44

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Lieber Thomas,

ich hätte da eine Idee, wie man Dein gelungenes Gedicht durch entsprechend Gestaltung noch interessanter machen könnte. Das ganze spiegelverkehrt noch einmal: der Rand links als Spiegelachse und dann alles umdrehen, so dass eine Pyramide, also ein Grabmal, entsteht. Wie man das technisch umsetzt im Zeitalter des Digitalismus weiß ich allerdings nicht. Mit Transparentpapier wär das nicht schwier hier!

Liebe Grüße aus Lüli
Karlheinz

#5 RE: Weisung von Ostseemöwe 04.12.2017 10:47

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lieber Thomas

ich würde dann den Satz,

Zitat
deren wunde Weise
sehr dem Körper glich;


lieber so lesen: deren wundes Wesen
sehr dem Körper glich;

und da mir nicht so richtig der Klang des letzten Wortes im Gedicht gefallen hat, (ich meine das "ab" es klingt zu abgehackt und hart für dieses zarte Gedicht habe ich versucht es weicher zu zeichnen. Und ich hoffe ich konnte Dir ein wenig verdeutlichen warum.

leise schwebend,
trennt sie sich
stufen
los.


herzlich Ilona

#6 RE: Weisung von Thomas 04.12.2017 11:49

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Liebe Ilona,

aber dann wäre doch mein (scheinbar recht unaufdringliches) Reimschema ababcdcdab futsch.

Liebe Grüße
Thomas


P.S.:
Lieber Carlino,

ich hatte deinen Kommentar übersehen. Vielen Dank für das Lob. Die graphische Gestaltung ließe sich tatsächlich bereichern, aber ich lese wegen meiner schlechten Augen Gedichte sowieso durch die Brille meiner Ohren.

Liebe Grüße
Thomas

#7 RE: Weisung von Klatschmohn 04.12.2017 13:03

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Lieber Thomas,

so wie die Zeilen weniger werden, so nimmt das Leben ab in Deinem Gedicht, bis es verlöscht.
Aber die wunde Weise mag mir auch nicht recht das deuten, was Du gemeint hast.
Mein Vorschlag wäre:

deren wundes Leben
sehr dem Körper glich;
still mit Beben,
trennt sie sich
schwebend
ab.

Da bleibt das Reinschema erhalten.
Liebe Grüße, Heidi

.

#8 RE: Weisung von 04.12.2017 13:48

Lieber Thomas,

die Voraussicht der Trennung von Seele und Körper hast Du hier sehr schön in Reimen dargestellt. Musste es erst mehrmals lesen um die Aussage in rechter Weise nachzuvollziehen und es als ein besonderes Glanzstück zu erkennen. Gefällt mir sehr gut.

LG Hans

#9 RE: Weisung von Heike 04.12.2017 16:05

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Lieber Thomas, da hast du dir so viel mühe gegeben und alle meckern, ich auch....schau mal, sonst ist es sehr schön

die so wunderbarer Weise
sehr dem Körper glich


LG Heike

#10 RE: Weisung von Heliane 04.12.2017 18:07

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Lieber Thomas,
zuerst muss ich Heike widersprechen:

Zitat
die in wunderbarer Weise
sehr dem Körper glich


Das Thema deines schrecklich traurigen Gedichtes ist nicht meins, mir reichts, wenn ich mich einmal durchgekämpft habe.
Trotzdem ein Lob von mir, weil du es so schön gebastelt, gewortet und gereimt hast.
Herzliche Grüße,
Heliane.

#11 RE: Weisung von Thomas 04.12.2017 18:24

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Liebe Heidi, Heike, Heliane, lieber Hans,

vielen Dank für die positive Aufnahme des Gedichts. Ich habe mir alle Vorschläge gründlich angesehen und überlegt. Leider passen die letzten schon aus formalen Gründen nicht (Silbenanzahl!) und "still mit Beben" finde ich nicht wirklich besser. Hinzu kommt, dass mir die Zeile "deren wunde Weise" klanglich gut gefällt und ich sie eigentlich inhaltlich auch für verständlich halte, wobei zusätzlich ein Anklang an den Titel des Gedichts bewusst gewählt wurde. Ich vermute, man müsste sehr viel mehr als nur diese Zeile ändern, wollte man wirklich verbessern. Ich denke darüber nach.

Liebe Grüße
Thomas

P.S.: Liebe Heliane, ich finde das gar nicht so "schrecklich traurig", was vielleicht daran liegt, dass ich meine streng atheistische Phase hinter mir habe. Wenn es keine Seele gäbe, wäre das ganze Gedicht natürlich sinnlos.

#12 RE: Weisung von Clara 04.12.2017 20:19

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Lieber Thomas,

ich bin eine überzeugte Seelen-Existenz-Glauberin, von daher kann ich mit deinem Gedicht recht viel anfangen, mal abgesehen, dass es mir gefällt und dass ich es ausgesprochen gerne gelesen habe. Nicht alles im Leben ist immer eitel Sonnenschein und finde ich gehört genauso dazu und in Worte gefasst wie die Freude und der Spaß.

Was mich ein bisschen gestört hat, war dass das Wort "Weisung" unverändert im Titel und gleich darauf im Text vorkommt. Vielleicht gibt es eine alternative "Weise", ich meine eine Art Wortspiel.

Liebe Grüße
Clara

#13 RE: Weisung von Thomas 04.12.2017 21:36

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Liebe Clara,

du machst mir mit deinem Kommentar klar, dass ich mich um die Überschrift gedrückt habe, indem ich einfach das wesentliche Wort "Weisung" dafür hergenommen habe. Wesentlich, weil es ausdrückt, die eigene menschliche Freiheit zu bewahren, indem man das Unabänderliche zum eigenen Willensakt macht, d.h. indem man erhaben handelt. Der Titel müsste also "Erhabene Selbstbestimmung", oder ähnlich, lauten. Meinst du, das geht?

Liebe Grüße
Thomas


P.S.: Schiller beschreibt es mit den Worten: "Nehmt die Gottheit auf in euren Willen und sie steigt von ihrem Weltenthron." oder "Eine Gewalt dem Begriffe nach vernichten, heißt aber nichts anders, als sich derselben freiwillig unterwerfen." Es ist also nicht nur meine Spinnerei.

#14 RE: Weisung von Sanderling 04.12.2017 23:07

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Lieber Thomas,
schon früh am Tag las ich dein Gedicht. Ich danke dir, dass du die Vorgabe die ich wähle einhieltest. Auch wenn die Aufgabe vielleicht wie ein Spiel gewirkt hat. Dein Gedicht ist eindringlich. Es ist mit dem "ab" am Schluss hart aber auch erlösend, denn die Seele wird genau hierdurch befreit. Ich mag keine Änderungen vorschlagen, da ich deinen Text genau so mag. Mit der Überschrift kannst du ja deiner eigenen Kritik folgen und etwas Neues finden. Vielleicht.
herzliche Grüße,
der Sanderling

#15 RE: Weisung von Thomas 05.12.2017 11:39

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Lieber Sanderling,

herzlichen Dank für deinen ermunternden Kommentar. Die Überschrift werde ich ändern, ich bin mir aber noch nicht sicher. Hoffentlich fällt mir etwas gutes ein.

Liebe Grüße
Thomas

#16 RE: Weisung von Sanderling 06.12.2017 08:07

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Lieber Thomas,
eins muss ich noch loswerden: Gedichte durch die Brille unserer Ohren zu lesen, ist sowohl ein wunderbarer Satz von dir, wie für mich auch als Vorschlag zur Nachahmung geeignet. Gauguin sagte schon, "wer sehen will der muss die Augen schließen"!
herzlichen Gruß,
der Sanderling
PS. Sehr schöne Überschrift!

#17 RE: Weisung von Clara 06.12.2017 08:11

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Guten Morgen, Thomas,

nun hat sich die Frage nach dem Titel ja bereits erledigt. Gefällt mir viel besser.

Liebe Adventsgrüße
Clara

#18 RE: Weisung von Thomas 06.12.2017 10:14

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Liebe Clara,

nochmals herzlichen Dank für deine Anregung.

Liebe Grüße
Thomas

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