#1 Neid. von Heliane 16.11.2017 16:08

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Die Sieben Totsünden
Neid (Invidia)


Ein Frevel sei gesunder Neid?
Ihr dauert mich, ich weiß Bescheid.
Nur Missgunst kann euch Ansporn sein,
gibt Kraft, verscheucht die Zipperlein.

Verjagt die Reichen, straft die Pfaffen,
greift ohne Zögern zu den Waffen.
Seid stolz, verbreitet Unbehagen,
geht dem, der mehr hat, an den Kragen.

Denn keiner sei des andern Knecht.
Verlasst euch nicht aufs Robenrecht.
Der Neid bin ich und werd euch leiten
müsst nur auf meinen Pfaden schreiten.

Dann biet ich euch ein Reich auf Erden,
dort sollt ihr froh und glücklich werden.
Ich geb euch Macht, ihr könnt es richten,
ihr müsst zu gar nichts euch verpflichten.

#2 RE: Neid. von 16.11.2017 17:21

Liebe Heliane,

Neid ist Missgunst und entsteht oft durch Benachteiligung und Unvermögen dies auszugleichen. Oft wird Kritikern am Reichtum auch Neid unterstellt. Neid wird so auch zu einem Kampfbegriff im Krieg der Reichen gegen die Armen. Durch den Begriff „Neid“ wird suggeriert, dass dieser Krieg von den Armen ausgeht, die den Reichen ihren Wohlstand nicht gönnen. Ich denke dass er überwiegend durch Gier nach Besitz und Macht mit Suchtverhalten seine Ausprägungen findet. In Deinem Gedicht sehe ich den Neid auf Reichtum, der zu verurteilen und oft unberechtigt ist, weil Reichtum nur selten auch Zufriedenheit und Glück mit sich bringt. Mit Deinem Gedicht hast Du den Neid auf Reichtum mit eventuellen Folgen gut dargestellt. Hierzu wären auch noch andere Aspekte interessant.

Hans

#3 RE: Neid. von Heliane 16.11.2017 18:18

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Hallo Hans,
ich befürchte, du hast dieses und die anderen Gedichte über die Todsünden nicht richtig verstanden. Denn hier gehts nicht um die aktuellen gesellschaftlichen Probleme. Ich schildere mittelalterliche Marktschreier, die, wie Luther, gegen den Ablass wettern.
LG, Heliane.

#4 RE: Neid. von Clara 16.11.2017 18:53

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Liebe Heliane,

wie auch bereits die anderen deiner Gedichte dieser Reihe, ist dir dieses hier gut gelungen. Wie ich finde, sogar besonders gut. Ja, so ist das, wenn man auf der einen Seite der Schulter ein Teufelchen sitzen hat und auf der anderen ein Engelchen. Auf wenn hört/e man dann? Aber Neid hat schon viel Unheil mit sich gebracht. Vielleicht sollte man sich von deinem Text nicht allzusehr verführen lassen.

Herzliche Grüße
Clara

#5 RE: Neid. von Heike 20.11.2017 15:42

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Liebe Heliane, wieder eine Todsünde die perfekt in das beschworene Höllenszenario der Kirche passt und deren Ablass ihren Klingelbeutel prall gefüllt hat.
Gerade bei den Kirchenfürsten hat der Neid regiert. An die Hölle haben die wenigsten von denen geglaubt. Dein Gedicht gefällt mir gut, du lässt den Neid sprechen und es schaudert einen zu was er aufruft.

LG Heike

#6 RE: Neid. von Heliane 21.11.2017 11:50

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Liebe Clara,
"... zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust ...", darüber dachte bereits Faust nach, wenn auch in anderem Zusammenhang. Manchmal besiegt halt der Teufel auf der einen Schulter den Engel auf der anderen. Ich empfinde es als sehr spannend, meinen inneren Schweinehund zu besiegen, muss jedoch gestehen, dass es nicht immer klappt.
Neid ist allerdings eine sehr schlechte Eigenschaft, die ich zum Glück nicht kenne.
Herzlichen Dank für deinen Kommentar und viele liebe Grüße,
Heliane.


Liebe Heike,
ich lese viel über die Kirchengeschichte, es interessiert mich sehr. Was neben den Kreuzzügen, Hexenverbrennungen ... geschah, ist nix gegen die unter Verschluss gehaltenen Dokumente, die Geldwäscherei, den Mord an Paul V und den Einfluss der Mafia im Vatikan.
Ob Neid in Rom ein Thema ist? Ich möchte gar nicht wissen, wie missgünstig die Knaben untereinander sind.
Vielen lieben Dank für deinen Kommentar und herzliche Grüße,
Heliane.

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