#1 Der Deich von Ida 13.09.2017 10:18

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Zum Schutze vor den Wasserfluten,
gab es seit alter Zeit den Deich.
Drin wühlten Mäuse nicht zum Guten,
die Erde wurde langsam weich.

Die nächste Flut, klang das Orakel,
wird ein Fuß höher als zuvor.
Wie schütz man sich vor dem Debakel?
Mit welchem Tun geht man da core?

Die Vollversammlung war sich einig,
den alten Deich erst zu sanieren.
War der Beschluss auch fadenscheinig,
denn es stand alles zu verlieren.

Die Flut kam und sie überspülte
den gut sanierten flachen Deich.
Der Ärger, den man darauf fühlte,
schwand samt den Menschen auch sogleich.

So gibt es immer Dringlichkeiten,
die wenig Freude uns bereiten
und wichtiger sind als man denkt.

#2 RE: Der Deich von Heliane 13.09.2017 11:41

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Liebe Ida,
du wolltest Waisen basteln? Es ist besser, Strophen mit ungerader Verszahl zu schreiben, im Kreuz-, Wechsel- oder im Paarreim und den letzten Vers jeder Strophe ungereimt zu lassen. Hier ist ein Beispiel, eine sog. Lutherstrophe, Vers 1 – 4 = Kreuzreim, Vers 5/6 = Paarreim, der letzte Vers ist die ungereimte Waise:
Der Sänger (Goethe)
„Was hör ich draußen vor dem Tor,
Was auf der Brücke schallen?
Lass den Gesang vor unserm Ohr
Im Saale wiederhallen!“
Der König sprachs, der Knabe lief,
der Knabe kam, der König rief:
„Lasst mir herein den Alten!“

Dein Gedicht gefällt mir sehr gut, es hat einen schönen Lesefluss. Nur in S3 V4/5 stimmt die Metrik nicht wirklich, vielleicht magst du noch mal drüber schauen?
Dein Gedicht ist nicht nur aktuell, es zeigt auch, wie dumm diejenigen handeln, die (leider!) das Sagen haben.
Herzliche Grüße,
Heliane.

edit: Heidis Vorschlag klappt nicht, denn die Betonung liegt auf doch: XxxXxXxXx, außerdem ist's ein Daktylus .

#3 RE: Der Deich von Klatschmohn 13.09.2017 11:48

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Liebe Ida,
Da hast Du Dich ja den Busch-Gedichten angeschlossen und in sie eingefügt! Auch ein schönes Moralstückchen hast Du da beschrieben.
Lediglich die Stelle mit dem Beschluß, der fadenscheinig erscheint hat als einzige einen betonten Auftakt.
Das kannst Du ganz leicht ändern. "doch der Beschluß" zum Beispiel.
Ansonsten, nix zu meckern.
Liebe Grüße,
Heidi

#4 RE: Der Deich von Ida 13.09.2017 12:09

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Liebe Heliane, liebe Heidi,

danke für Eure Hinweise und lobenden Worte.
Ich habe die Korrektur nach meinem Verständnis versucht, doch gefällt mir der Gedankenfluss semantisch nicht sehr.
Es klingt wie etwas unvollendet?
Zum Goethe fiel mir auf, dass sich die letzte Zeile mit der 4. Zeile Zeile ähnelt (verhallen - Alten), ist das Zufall oder gewollt?
Ich freue mich, dass es Euch gefällt.

LG Ida

#5 RE: Der Deich von Heliane 13.09.2017 12:23

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Liebe Ida,
nun, wir können den Herrn Geheimrat nicht mehr fragen; ich denke, es ist Zufall und meine auch, dass sich -allen und Alten wenig ähneln .
Deine Überarbeitung ist in der Tat nicht ganz gelungen, da stimme ich dir zu. Versuch doch mal, den Vers mit 'Bestimmung' zu beginnen, oder ganz umzustellen.
Herzlich,
Heliane.

#6 RE: Der Deich von Cheeny 14.09.2017 06:57

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Guten Morgen, liebe Ida,

ein Thema mitten aus der Wirklichkeit schön in Szene gesetzt. Ich hätte noch einen kleinen Änderungsvorschlag, da ich in der letzten Strophe ein wenig beim Lesen hängengeblieben bin.

Doch immer gibt es Dringlichkeiten,
die wenig Freude uns bereiten
und wichtiger sind als man denk.

Hier ist das doch Auftakt und es lässt sich flüssig lesen. Ist aber nur meine Meinung.

Gerne gelesen.
Liebe Grüße
Clara

#7 RE: Der Deich von Ida 14.09.2017 08:56

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Liebe Heliane,
ich danke Dir für Dein Bemühen, doch kann ich Deinen Gedanken nicht umsetzen, da fehlt mir etwas.
Die 'Bestimmung' kriege ich in meinem Gedankengang nicht eingebaut?
Vielleicht kannst Du es etwas Präzisieren?

Liebe Clara,
danke für Deinen Vorschlag und das Lob. Ich lese Deine erste Zeit metrisch genauso wie meine. Wo liegt der Unterschied?
Kannst Du es mir bitte als XxXx kennzeichnen?

Liebe Grüße Ida

#8 RE: Der Deich von Heliane 14.09.2017 10:11

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Liebe Ida,
Entschuldigung, das war ein dummer Schreibfehler und sollte natürlich Beschluss/Beschlüsse heißen.
Ich hab auch keine gute Idee für die beiden Verse, vielleicht helfen dir meine Vorschläge weiter?

Zitat
War der Beschluss auch fadenscheinig, Beschlüsse sind (oft, meist ...) fadenscheinig,
denn es stand alles zu verlieren. sie drohen, alles zu verlieren.

Ganz gewiss nicht das Gelbe vom Ei!
Herzliche Grüße,
Heliane.

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