#1 GRÜN von Sanderling 21.04.2017 10:12

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Grün
Grün, mal zart, auch satt,
an dürrem und starkem Geäst
der tragenden Bäume,
im blühenden Wald,
voll verrottendem Laub
am Boden, mit kriechenden Tieren,
auch flinken Mäusen,
gejagt vom pfeilschnellen Habicht,
aus taubenblauem,
lichtdurchfluteten Himmel
herabstürzend, durch dürres
und starkes Geäst voller grün.
Mal zart, auch satt.

#2 RE: GRÜN von Thomas 21.04.2017 10:39

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Lieber Sanderling,

ein schöner rhythmisch interessanter Text. Man könnte ihn auch so schreiben:

Grün,
mal zart, auch satt,
an dürrem und starkem Geäst
der tragenden Bäume,
im blühenden Wald,
voll verrottendem Laub
am Boden, mit kriechenden Tieren,
auch flinken Mäusen,
gejagt vom pfeilschnellen Habicht,
aus taubenblauem,
lichtdurchfluteten Himmel
herabstürzend,
durch dürres und starkes Geäst
voller grün,
mal zart, auch satt.

Oder vielleicht auch ganz anders? Das geht bestimmt.

Liebe Grüße
Thomas

P.S.: ich habe ein "und" entfernt, hoffentlich nicht eine allzuschlimme Untat.

#3 RE: GRÜN von anna a. 21.04.2017 14:53

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Lieber Sanderling,

oder so ...

grün mal zart auch
satt an dürrem und
starkem geäst
tragender bäume im blühenden
wald voll verrottendem laub
am boden mit kriechenden
flinken auch mäusen
gejagt vom pfeilschnellen habicht
aus taubenblauem
lichtdurchfluteten himmel
herabstürzend
durch dürres und starkes
geäst voller grün,
mal zart auch satt.

Lieber Thomas und Sanderling, verzeiht bitte, mich hat der Spieltrieb überkommen und ich finde es spannend, was geschieht, wenn sich Umbrüche ändern.

Liebe Grüße

anna a.

#4 RE: GRÜN von Thomas 21.04.2017 15:39

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Liebe anna,

eine schöne Idee, aber die Schreibweise macht mir wieder deutlich, wie hässlich Kleinschreibung und fehlende Satzzeichen sind.

Liebe Grüße
Thomas

#5 RE: GRÜN von anna a. 21.04.2017 16:11

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Lieber Thomas,

ich lese, wie hässlich Kleinschreibung in deinen Augen ist. Ich als auch mit der englischen Sprache Sozialisierte empfinde die Kleinschreibung tatsächlich manchmal als Wohltat, aber ich weiß natürlich genau, was du meinst.

Indem ich auf die Zeichensetzung verzichte, zwinge ich fast den Leser, eigene Zuordnungen der Worte zu treffen - ist es das, was viele daran stört? Die scheinbar fehlende Klarheit des Verfassers? Die Idee kommt mir gerade beim Schreiben ..

Vielen Dank für den Austausch darüber .

Liebe Grüße

anna a.

#6 RE: GRÜN von Thomas 21.04.2017 21:16

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Liebe anna,

wenn man den Geschmack daran gefunden hat, wie viel freier und variabler die Satzstellung in deutschen Texten sein kann, als in englischen - was unmittelbar mit der Großschreibung zusammenhängt - dann wird man sie nicht missen wollen, insbesondere bei poetischen und philosophischen Texten.

Ja, es ist nicht nur die "scheinbar fehlende Klarheit des Verfassers" sondern die "tatsächlich fehlende Klarheit des Verfassers". Warum? Eine wirklich poetische Idee hat das Problem, welches ich in "Wie Gedichte zur Welt kommen" beschreibe, sie ist sehr präzise, und die Sprache sträubt sich, sie auszudrücken. Der ernsthafte Verfasser muss alle Kräfte aufwenden, um die Idee so klar wie möglich zu formulieren, und alles Diffuse wird ihn schmerzlich stören. Die Idee, den Leser zu zwingen durch diffuse Ausdrucksweisen sozusagen "selbst dichten zu lassen", kann nur ein diffuser Verfasser kommen. Ich rede gegen ein Heer von Papageien, bin mir aber sicher, dass ich Recht habe.

Liebe Grüße
Thomas

P.S.: Vielleicht macht es folgendes deutlicher: Stelle dir eine mathematische Idee vor. Hier ist es genau das Gleiche. Die Idee muss in einer ganz spezifischen formalen Sprache (welche dann als mathematischen Beweis formuliert wird, eine Art Gedicht!) vermittelt werden, sonst kann sie keiner verstehen. Was wäre, wenn der Mathematiker zu Förderung der Einbildungskraft der Kollegen kleine Fehler und Ungereimtheiten in den Beweise einbauen würde, und dann noch stolz behaupten würde, dass das der Sache förderlich sein?

#7 RE: GRÜN von Sanderling 21.04.2017 21:23

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Lieber Thomas,
mir gefällt die Gliederung deines "Umbaus" meines Textes gut. Ohne "und", aber mit Komma, gefällt es mir besser.
Ach ja, die Kleinigkeiten!

herzlichen Gruß,
der Sanderling

#8 RE: GRÜN von anna a. 21.04.2017 22:37

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Lieber Thomas,

veto. Kennst du den Raum hinter Worten, wie ich ihn immer nenne? Greift der Dichter zu einer Metapher, schenkt er dem Leser Raum für Assoziationen und eigene Bilder. Er verdichtet also zunächst, um dann wieder durch die Sprache Welten zu öffnen.. So verstehe ich die Poesie..

Vielen Dank für deine Ausführungen..

Beste Grüsse

anna a

PS: Gäbe es sonst so zahlreiche Interpretationsansätze für ein Gedicht?

#9 RE: GRÜN von Sanderling 21.04.2017 23:09

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Liebe anna a.,
danke fürs Spielen mit meinem Text. Er wirkt. Anders als zuerst gedacht, aber auch Thomas brachte mit seinen Umbrüchen eine Veränderung rein.
Ein Freund von Satzzeichen bin ich schon, muss ich an der Stelle bemerken, auch wenn ich sie nicht immer richtig setze.
Die vermutete Konkretheit hinter allen Worten und Satzzeichen, könnte dennoch eine Illusion sein. Denn, immer noch liest und deutet jede Leserin mit dem individuellen Hintergrund ihres Lebens.

..entspannte Grüße in die Diskussion und an unsere Runde!
der Sanderling

#10 RE: GRÜN von Heliane 22.04.2017 10:10

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Lieber Sanderling,
dein Text ist sehr schön und stimmungsvoll, ich mag ihn, auch das Bild .
Weil er aber Prosa ist, verschiebe ich ihn in die "Kurzgeschichten ..."-Rubrik. Das muss sein, weil hier unter "Natürliches" nur Gedichtformen eingestellt werden können.
Herzliche Grüße,
Heliane.

#11 RE: GRÜN von Sanderling 22.04.2017 10:39

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Danke Heliane,
für das nächste Mal schiebe ich es dann gleich in die richtige Rubrik.
Viele Grüße,
der Sanderling

#12 RE: GRÜN von 22.04.2017 16:04

Lieber Sanderling,

die Schönheit des erwachenden Lebens zeigt sich in dem frischen zarten Grün in vielfältiger Weise. In jeder Schönheit gibt es auch die Gefahr, die überraschend und schnell ein schreckliches Ereignis geschehen lassen kann. Die Betrachtung der Schönheit schmälert die Aufmerksamkeit und läss die Gefahr vergessen. Die Natur ist vielfältig und zu ihr gehört das Leben so wie auch das Sterben, das mit dem welken Laub stets sichtbar ist. Die Gefahr kommt von dem schnellen und stärkeren (Habicht). Sie kommt überraschen dann wenn nur die Schönheit gesehen wird. Ein realistisches Naturbild, welches das Leben zeigt.

LG Hans

#13 RE: GRÜN von Sanderling 24.04.2017 09:33

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Lieber Hans,
danke für deinen ausführlichen Kommentar. Du hast Recht, Gefahren lauern überall. Man könnte sie glatt vergessen, wenn der schöne Frühling und das pralle Erblühen vorherrscht. So ist es mir auch lieber. Wie war das noch im Gespräch von Charly Brown und Snoopy?.....hänge das Bild mal meiner Nachricht an!
herzliche Grüße und danke fürs Kommentierten!
Der Sanderling

#14 RE: GRÜN von Heike 27.04.2017 16:41

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Lieber Sanderling, dein Spiel mit der Farbe grün gefällt mir. Sie überwiegt ja im Moment in der Natur und ist Erholung für unsere Augen.
LG Heike

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