#1 Gedankenkreisen von anna a. 20.01.2017 13:06

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Unaufhörlich marschieren Gedanken, 
verschanzen sich, spuken und drehen sich ein,
als schlüge ein Löwe mit mächtigen Pranken
verbissen Ideen kurz vor der Entstehung
mit wachsender Freude ganz kurz und ganz klein.

Der Mensch, der von solchen Unbillen  geplagt,
wie mag er sich fühlen?
Wird er nicht verrückt ob des ewigen Gleichen?
Doch, wenn man ihn leise zum Thema  befragt,
schaut er höchst verschreckt auf, beginnt auszuweichen

und sucht sein Gefühl, verlorn in Gedanken,
die verdrehen, ersticken, Ideen auffressen
und es ist, als könne er niemals die Pranken
des Grübelns zugunsten der Freude vergessen.

 

#2 RE: Gedankenkreisen von Thomas 20.01.2017 14:48

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Liebe anna,

schön wieder von dir zu lesen. Was du beschreibst ist ein interessanter Prozess, den ich mir gut vorstellen kann, obwohl ich den bösartigen Löwen nicht kenne. Ich habe oft das Gefühl "Es" denkt. Aber "Es" widerspricht den Gefühlen nicht, es surft eher darauf und bekommt nur in Ausnahmefällen Kreise hin.

Liebe Grüße
Thomas

#3 RE: Gedankenkreisen von 20.01.2017 15:48

Liebe anna,

der Mensch wird oft von Gedanken überfallen. Meist wehrt er sich nicht oder er will oder kann es nicht. Wenn die Gedanken nicht unter Kontrolle kommen, können sie auch belastend oder gar schädlich sein, dann sind sie auch nicht mehr produktiv und sinnvoll. Gute und schlechte Gedanken sollten erkannt und kontrolliert getrennt werden. Die Aussage Deines Gedichtes ist tiefsinnig und gut.

LG Hans

#4 RE: Gedankenkreisen von Sanderling 21.01.2017 09:01

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Liebe anna a.,
gerne lese ich deinen Text, und du hat es geschafft, dass auch meine Gedanken durch deine Beschreibung zu kreisen beginnen.

Auch wenn es natürlich zum Thema passt, immer wieder den Faden zu verlieren und doch nicht loslassen zu können, erlebe ich die zweite Strophe als Bruch.
Vielleicht gelänge es dir ja sogar den Leser noch tiefer mit Gedankengängen in die Irre zu leiten, wenn du deinen Text komprimierst, ohne im Text selbst dem Inhalt gegenüber auf reflektietende Distanz zu gehen.
Vielleicht lässt du meine Idee einfach mal kreisen, oder schickst sie in den kühlen Winterwind.
Liebe Grüße
der Sanderling

#5 RE: Gedankenkreisen von Heike 22.01.2017 19:03

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Liebe anna, deine Gedankengänge gefallen mir wieder sehr gut. Ich sehe den Mensch, wie er auf und ab geht, stehen bleibt, mal kurz den Kopf hebt als hätte er eben den Gedanken fassen können. Dann senkt sich sein Blick wieder und er geht grübelnd weiter. Er kann nichts daran ändern ohne Hilfe von außen.
LG Heike

#6 RE: Gedankenkreisen von anna a. 22.01.2017 21:36

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Lieber Thomas, lieber Hans, Sanderling, liebe Heike,

vielen Dank für eure Kommentare. Interessant fand ich deinen Hinweis, lieber Sanderling, dass in der 2 Strophe eine Distanzierung stattfindet, das hatte ich in der Tat so beim Schreiben nicht bemerkt.

Liebe Heike, du hast den Menschen, den ich vor den Augen hatte, sehr trefflich beschrieben.

Lieber Hans, deine Idee, guten Gedanken von schlechten zu separieren, ähnlich wie bei Aschenputtel, inspirieren mich zu einem neuen Gedicht. Was ich ausdrücken wollte, war allerdings auch die Autonomie von Gedanken und unsere gelegentliche Hilflosigkeit ihnen gegenüber.

Ja und lieber Thomas, es denkt. Sind das nur biochemische Vorgänge, die wie auch immer übersetzt werden oder was denkt genau. Wie gerne würde ich in die Tiefen der Neurobiochemie mal einsteigen, obwohl ich eigentlich zutiefst davon überzeugt bin, dass wir das wahre Geheimnis des Wesen Mensch noch lange nicht gelüftet haben.

Habt alle einen schönen Abend!

Herzlichst

anna a.

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