#1 Der Sprung von Heike 07.10.2016 22:01

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Der Sprung

Donnernd stürzen Wassermassen
über graues Felsgestein,
ziehen taumelnd Nebelschwaden
mit sich in die Schlucht hinein,

das im fallen Winde treiben,
wütend heults aus tiefen Grund,
wenn sie an den Kanten reiben,
schaurig wie ein Höllenhund.

Und ich springe, spring hinein
in den unsichtbaren Schrecken,
hör mich selbst im Sturze schreien,
tauch ins tosend wilde Becken,

sinke weiter, immer weiter,
bis ich meine Angst verliere,
diesen treuen Wegbegleiter
und ich wieder Boden spüre,

stoß mich mit den Füßen ab,
will hinauf den Berg erklimmen,
der den Mut mir wiedergab,
um dann, noch einmal zu springen.


© Heike Schmidt
Februar 2016






#2 RE: Der Sprung von Thomas 08.10.2016 17:28

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Liebe Heike,

das Gedicht beschreibt in einer gelungenden Metapher die Freude an einer verlässlichen Beziehung und gefällt mir gut. Vielleicht könnte man in der letzten Zeile die Pause schon vor das "nach" setzen, also "um dann,.. noch einmal zu springen." Da das Wesentliche (wie ich es verstehe) nicht das "Springen", sondern das "noch einmal" ist.

Liebe Grüße
Thomas

#3 RE: Der Sprung von 08.10.2016 20:34

Liebe Heike,

Dein Gedicht lässt mich an Extremsportarten denken. Besondere Leistung die auch von extrem hoher Gefahr begleitet wird, erzeugt einen besonderen Kick. Ein Sprung in einen Wasserfall (ins Ungewisse), bei dem keinerlei Sicherheit oder Kontrolle besteht, ist sicher nicht erlaubt. Jede sportliche Ausübung setzt auch einen Fähigkeitsnachweis voraus, ansonsten wird die Ausübung sicher nicht erlaubt sein. Eine Kontrolle ist allerdings nicht immer möglich. Hierin sehe ich ein Problem, dass Du mir mit Deinem Gedicht zu denken gegeben hast.

LG Hans

#4 RE: Der Sprung von Kokochanel 08.10.2016 22:30

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Liebe Heike,

dieses Gedicht hat eine Tiefe, die erschreckend ist und gleichzeitig Mut macht.
Ein Lyrisches Ich als Protagonist verstärkt die Intensität.
Ein Verzweifelter, Überfoderter springt, will sich aufgeben und gerade in dieser Situation liegt seine Rettung.

Der Boden, den er im Sprung findet, gibt ihm Kraft, vielleicht auch ein "Ich wll doch leben, ich schaffees.
Er stößt sich ab, kommt auf und erstarkt.

Blöder Spruch: Was uns nicht umbringt, macht uns nur härter...".

Dann springt er nochmals. Nicht mehr, weil er verzweifelt ist, sondern um sich selbst das Unglaubliche zu bestätigen.

Tolles Werk.

LG von Koko

#5 RE: Der Sprung von Heike 09.10.2016 17:30

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Lieber Thomas, das Komma habe ich umgesetzt. An eine Beziehung habe ich nicht gedacht sondern an die Überwindung der Angst.
LG

Lieber Hans, gehen wir davon aus das die Sprünge in diesen Wasserfall und sein Becken erlaubt sind.
LG

Liebe Koko, Ängste kennt jeder. Sie begleiten uns durch das ganze Leben. Etwas Neues zu versuchen, dabei die Angst zu überwinden fällt uns oft sehr schwer.
Haben wir es aber einmal geschafft, erscheint es uns plötzlich ganz einfach. Ob es nun der Sprung vom 3 Meterbrett, der Kampf gegen eine schwere Krankheit, oder eine Rede in der Öffentlichkeit ist, spielt dabei keine Rolle. Nach der ersten Überwindung, wenn wir merken so schlimm war es gar nicht, fängt das Leben wieder an Spaß zu machen und gibt uns Selbstvertrauen. Mit dem Sprung in den Wasserfall und das unsichtbare Becken hat sich der Protagonist so viel Mut und Selbstvertrauen geholt das er weiterleben kann.
LG

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