#1 Katzenweib. von Carlino 30.08.2016 17:45

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Ödipus oder die Zärtlichkeit der Sphinx

Wange an Wange, der Jüngling die Katze,
Lächelnde Lippen, es bebt noch die Tatze.

Der Junge nach außen gerichtet den Blick,
Geschlossene Augen der Katzenfrau Trick!
Schnurrend umgarnend, zum Sprung doch bereit,
Ahnungslos liebend die Bestie gefreit?

Das Rätsel gelöst, das Monster besiegt?
Der Quell vieler Qualen nun endlich versiegt?

Bestie und Knabe, die Sphinx scheint gebannt,
Ödipus Schicksal jedoch ist bekannt:
Als Rache des Untiers, die Mutter entehrt,
Am Ende geblendet ins Elend gekehrt.

Für Fernand Khnopff

#2 RE: Katzenweib. von Heliane 30.08.2016 21:51

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Lieber Karlheinz,
die Sage um Ödipus ist schrecklich, das Gemälde großartig.
Ich mag in Verse gefasste Gemäldebetrachtungen sehr. Hier fehlen mir etwas Eigenes, Gefühle oder Erkenntnisse. Grad der Symbolismus bietet Phantasien viel Raum.
Du schilderst, wenn auch sehr anschaulich, was jeder Kunstbeflissene sehen und wissen kann; das ist mir etwas zu wenig.
Trotzdem sehr gerne gelesen und mal wieder über mein seit Langem brach liegendes Hobby nachgedacht.
Herzliche Abendgrüße nach Samothrake,
Heliane.

#3 RE: Katzenweib. von Carlino 30.08.2016 23:52

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Liebe Heliane,

wie schade, dass Dir meine knappgehaltene Analyse nicht so ganz zusagt!
Für mich zeigt gerade dieses Bild die Erstarrung der Gefühle. Der Mann ist nach außen gewandt, neigt sich nicht der Katzenfrau zu, die Sphinx lächelt in sich hinein, öffnet sich also ebenfalls nicht gegenüber dem Jüngling. Beide sind isoliert und auf sich selbst bezogen. Auch die Haltungen beider sind eingefroren, erstarrt, besonders die der Katze. Nicht die Spur von zugewandter Zärtlichkeit, höchstens Selbstverliebtheit!

Gefühle, im Sinne von einander wahrnehmen und sich einander zuwenden, sind ausgespart gleichsam bis in die Schwanzspitze der Katze hinein.
Diese Ausstrahlung des Gemäldes hat sich mir, sicher zunächst unbewusst, mitgeteilt und kommt in der leicht distanzierten Schilderung im Gedicht zum Ausdruck.

Vielleicht kannst Du das ansatzweise nachvollziehen?

Liebe Grüße kurz vor Mitternacht griechischer Zeit aus dem heute stillen Samothraki
Karlheinz

#4 RE: Katzenweib. von Heike 31.08.2016 19:20

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Lieber Karlheinz,
auch wenn ich jetzt kein Bild vor mir habe, kann ich es mir dank deiner Beschreibung gut vorstellen. Ich finde es doch bestimmt im I-net, da schaue ich es mir einmal an.
Das werde ich jetzt auch gleich einmal machen.
LG Heike

#5 RE: Katzenweib. von Carlino 02.09.2016 11:29

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Liebe Heike,

wie jetzt der Vergleich zwischen Deinem inneren Bild und dem Gemälde von Khnopff wohl ausgefallen ist, würde mich doch interessieren.

Danke für den Eintrag und liebe Grüße aus Samothraki

Karlheinz

#6 RE: Katzenweib. von Heike 03.09.2016 10:49

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Lieber Karlheinz,
das Bild habe ich mir nun angeschaut und deine Beschreibung dazu gefällt mir. Die Geschichte von Ödipus war mir bekannt, auch ihre verschiedenen Darstellungen auf Bildern ( nur dieses nicht), so hat sich mein Gehirn wohl aus allem möglichen etwas herausgesucht. Ich habe sie zwar Wange an Wange vor mir gesehen, aber ihre Gestalten aus schon gesehenen Bildern zusammengebastelt. Ich glaube auch zu deinem Gedicht muss man das beschriebene Bild betrachten.
LG Heike

#7 RE: Katzenweib. von Carlino 03.09.2016 11:26

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Bild entfernt (keine Rechte)

Liebe Heike,

hier das Bild von Khnopff!

Liebe Grüße
Karlheinz

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