#1 Der Bäcker von Günter 21.06.2016 10:27

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Ein Bäcker hat wohl schon sein Lebetag lang,
erfolgreich sehr handfeste Brötchen gebacken.
Er zog dank Erfahrungen weiter am Strang,
auch saß ihm der Wunsch seiner Kunden im Nacken.

Es kam eines Tags ein Geselle herein,
um sich als Konditor bei ihm zu bewähren.
Auf Dauer kann sich nur am Brötchen allein
der steigenden Anspruch der Kunden nicht nähren.

Ja, dieser Geselle war göttlich begnadet.
Die Kuchen und Torten – vollendete Kunst!
Das lockt viel Käufer, was wahrlich nicht schadet,
doch stand er beim Meister sehr schlecht in der Gunst.

Der Meister hat bald den Gesellen entlassen,
da Kuchen doch nicht in die Brötchenform passen!

#2 RE: Der Bäcker von Carlino 22.06.2016 19:27

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Lieber Günter,

ein bisschen erinnert mich das an Till Eulenspiegel, aber es fehlen die Eulen und Meerkatzen. Den Meister, der trotz des großen Erfolges den Gesellen aus Neid entlässt, gibt es aber dort auch.

Die göttlich Begnadeten haben es in der Regel eben eher schwer

Liebe Grüße aus Samothraki, wo es zur Zeit sehr windet
Karlheinz

#3 RE: Der Bäcker von Klatschmohn 22.06.2016 23:01

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Hallo Günther,
die menschliche Dummheit sucht wahrhaftig ihresgleichen. Neid und Missgunst sind ganz üble Genossen.
Da hätte sich doch der Bäcker mit dem Kuchenkünstler eine goldene Nase verdienen können.
Schöne lange Zeilen und angenehm zu lesen. Ein Lehrstück obendrein.
So ist das eben, ein Konditor sollte sich nicht beim Bäcker anstellen lassen. Wahrscheinlich aß die Bäckersfrau lieber Kuchen statt Brötchen.
Mit Gruß,
Heidi

#4 RE: Der Bäcker von Günter 23.06.2016 09:01

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Hallo Carlino,

ich danke Dir, dass Du diesen Text beachtet und betextet hast. Ich denke, es ist nicht nur der Neid, es ist auch das Unverständnis für alles, was anders ist. Ich sehe nun sogar gewisse Parallelen zu dem Hühnergedicht von lillii. Wer besser ist, hat keine Freunde.
Herzliche Grüße
Günter

Hallo Klatschmohn,

verletzte Eitelkeit ist auch ein Teil der Menschlichen Dummheit. Viele Menschen sind lieber die Nummer 1, selbst wenn es das Kleinste ist, als Teil eines großen Ganzen zu sein.
Bei der Metrik habe ich sehr gefeilt und war mir trotzdem nicht sicher. Schön, dass Du sie so annehmen kannst.
Nebenbei, ich esse weder Brötchen noch Kuchen, so gehe ich dem Ärger aus dem Weg.
Danke für Deine Meinung!
Herzliche Grüße
Günter

#5 RE: Der Bäcker von Heliane 24.06.2016 15:19

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Lieber Günter,
fast ein Gleichnis über Sturheit und Neid. Dein Gedicht bringt uneingeschränkte Freude beim Lesen.
Ich finde keinen Fehler, so sehr ich mich auch anstrenge .
Herzliche Grüße,
Heliane.

#6 RE: Der Bäcker von Günter 24.06.2016 17:45

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Hallo Heliane,
Dein fachkundiges Urteil freut mich. Ich werde versuchen, ob mir das nochmal gelingt.
Danke für Deinen Kommentar!
Herzliche Grüße
Günter

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