#1 Metapher im Volksmund. von Uller Rich 28.08.2015 22:34

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Wenn Reden sich wenden

Dreh die Jacke nach dem Winde und schütte das Kind mit dem Bade aus.
Selbst wenn dir das Wasser am Hals steht, zeige immer deine Schokoladenseite.
Ein Blitz durchfuhr mich und mir ging ein Licht auf.
Die Sache hatte einen Haken, deshalb war der Wurm drin.
Trotz großem Hals lebe ich nicht auf großem Fuß.
Ich habe im Luftschloss Fuß gefasst.
Manchmal setzte ich mich aufs falsche Pferd und lasse mich treiben.
Trotz gestellter Weichen blieb die Lage angespannt.
Ich sollte in mich gehen, dabei wäre mir sicher ein Zacken aus der Krone gebrochen.
Ein frischer Wind schlägt mitunter dem Fass den Boden aus.
Die Behandlung mit Samthandschuhen war eine harte Nuss.
Nur weil du mir die Daumen drücktest, hatte ich den Rücken frei.
Mit der Behauptung ins Blaue, hast du ins Schwarze getroffen.
Auf den Busch klopfen bringt mehr als im Trüben zu fischen.
Das Fass ist übergelaufen, als er ihn auch noch auf die Schippe nehmen wollte.
Halte dich bedeckt, wenn man dir einen Bären aufbinden will.
Man denkt, wer auf dem Thon sitzt, kann sich die Nüsse schaukeln.
Wer auf dem Abstellgleis steht, kann eine ruhige Kugel schieben.
Wenn du einen guten Schnitt machen willst, darfst du dein Geld nicht auf den Kopf hauen.
Eine lange Leitung ist weniger schlimm als auf dem Schlauch zu stehen.
Wenn die Luft brennt, treibt man keine Sau durchs Dorf.

#2 RE: Metapher im Volksmund von Heliane 29.08.2015 15:10

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Lieber Ulrich,
schade, dass dieses lustige Gedicht hier in unserem Privatbereich für die anderen Gärtner nicht zu sehen ist.
Wenn du möchtest, verschiebe ich es gern zum Humor.
Du hast sehr fleißig die gängigen Umschreibungen gesammelt und sehr hübsch zusammengebastelt - gefällt mir sehr gut .
Weißte, was noch fehlt? Die Ursprünge, die manchmal sehr komisch sind und mit dem heutigen Gebrauch kaum etwas gemein haben.
Ich schicke dir viele liebe Wochenendgrüße .
Most amused,
Heliane.

#3 RE: Metapher im Volksmund von Uller Rich 29.08.2015 17:12

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Liebe Heliane,
ich stellte es auf Grund Deines Hinweises hierhin. Wennste meinst, dann verschiebste es wohin. Es ist nicht nur Humor! Humor wäre lediglich die Kombination.
Natürlich könnte ich die Ursprünge erklären, doch dafür gibt es schon fertige Bücher (nebenbei sehr interessant!).
Diese Zusammenstellung ließe sich noch ein gutes Weilchen verlängern. Ob es dann langweilig wird?
Ursprünglich wollte ich nur Beispiele für Metaphern zusammentragen, doch das erschien mir dann zu trocken.
Beispiele für Bilder, die keine Metaphern sind, müssten sich damit erübrigt haben oder?
Liebe Grüße
der Uller

PS: der Uller könnte entfernt auch noch als M. durchgehen, es gibt ihn als dinglichen Hosenanhänger

#4 RE: Metapher im Volksmund von Heliane 29.08.2015 17:29

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Lieber Ulrich,
mit deiner Erlaubnis stelle ich dein Gedicht sehr gerne bei Humor unter, wo sonst ?
Metaphern mitsamt ihren Ursprüngen und Erklärungen zu bedichten, wird ganz sicher nicht langweilig; jede Sprache hat sowas!
Manche sind sogar sehr aufschlussreich hinsichtlich der Zeit ihres Entstehens und der aktuellen Umsetzung. Wer weiß beispielsweise, warum der Boden aus dem Fass geschlagen wurde?
Herzliche Grüße,
Heliane.

#5 RE: Metapher im Volksmund von Derolli 29.08.2015 23:10

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Hi,

eine wahrhafte Denkaufgabe - ich glaube auch, dass es eigentlich garnicht so witzig ist was Ulrich da schreibt im Gedicht, ehrer wie die Überschrift bereits zeigt, wird ein Gedanke durch ein bekanntes Sprichwort/Bild/Metapher/wasauchimmer aufgegriffen, aber dann duch ein anderes in eine ganz andere Richtung geführt (

Zitat
Ich habe im Luftschloss Fuß gefasst.

), oder bestärkt (

Zitat
Die Sache hatte einen Haken, deshalb war der Wurm drin.

). Das ist garnicht so einfach und eher besonders als Humor.
Übrigens kommt der Spruch "dem Fass den Boden auschlagen" bestimmt daher, dass man nach einer durchzechten Pokernacht, in der man alle Kleider verzockt hatte, beschämt in den Weinkeller ging, dort noch ein Fässlein geleert hat, um dann den Boden rauszuschlagen, die Füße durchzustecken, um nicht nackt durchs Dorf an der Pfarrei vorbei nach Hause gehen zu müssen.

Cu

Derolli

#6 RE: Metapher im Volksmund von Uller Rich 30.08.2015 09:40

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Liebe Heliane, lieber Derolli,

ich habe an solchen Sprüchen wie auch an den Spielchen damit schon immer viel Spaß gehabt. Besonder gefallen mir witzige Verzerrungen wie "Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung." Ein unpassenden Kombination aus 2 Sprüchen, die nur halb aber falsch zusammengesetzt werden. Das ist dann so blöd, dass es schon wieder lustig ist. Ich habe immer 2 Sprüche im Ganzen kombiniert, doch manchmal passen sie im Sinn zusammen und manchmal eben nicht, bis hin zum Widerspruch.
Heimlich hoffte ich auf einige weitere Beispiele. Leicht ließe sich ein Spielchen daraus machen, nach dem Motto: Wenn die Katze aus dem Haus ist, ...
Das habe ich schon einmal versucht, es hat aber nicht geklappt. Wenn ich erst einmal angefangen habe, danach zu suchen, finde ich auf Schritt und Tritt Beispiele dafür. Sie wachsen wie die Pilze aus dem Boden. Das "wie" macht hier allerdings die Metapher kaputt, dadurch steht es nicht mehr als Umschreibung für etwas anderes sondern es ist nur noch klar das Andere.
Mag sein, das dieses Thema noch einige Diskussionen auslösen kann?

Liebe Grüße Ulrich

#7 RE: Metapher im Volksmund von Derolli 30.08.2015 11:35

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Hi Barde,

lass mich mal versuchen:

ein blindes Huhn sucht daher ob es nichts bessres findet

Gilt das? Nun eine Metapher ist es ja nicht wirklich ein Synonym vielleicht.

Cu

#8 RE: Metapher im Volksmund von Uller Rich 30.08.2015 12:47

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Moin!
Das geht schon in diese Richtung.
Wenn mir die Leviten gelesen werden, komme ich nicht auf den springenden Punkt.
Ein blindes Huhn findet auch mal einen Stein im Brett. (alternativ)
Wer seine Haut zu Markte trägt, ...
Wer einmal lügt, ... (das ist zwar eine Redewendung, aber keine Metapher.)
Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ... (das könnte man als Grenzfall verstehen, doch wer weiß, das nicht das Öhr einer Nadel gemeint ist, sondern eine kleine Tür im großen Tor ...)

Eine Metapher ist eine Umschreibung und mir fällt dazu kein einzelnes Wort ein, es muss sich sicher immer aus dem Zusammenhang ergeben. Dazu sind immer Wortgruppen (siehe Redewendungen) oder eine bestimmte Darstellung notwendig. Die Sonne ist eben nur die Sonne, doch du 'bist meine Sonne' ist dann wieder eine Metapher, da hier nicht die Sonne gemeint ist.
Schaun wir mal weiter! Ich bin gespannt auf den 7.9.
LG Ulrich

#9 RE: Metapher im Volksmund von Thomas 30.08.2015 20:54

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Lieber Ulrich,

dein Beitrag gefällt mir sehr.

Die Sprache entwickelt sich meiner Meinung nur in Metaphern weiter. Deshalb ist das Wesen der Sprache Poesie. Metaphern sind keine Umschreibungen, im Sinne von Verzierungen oder Ähnlichkeit, sondern ganz präzise Bezeichnungen für etwas, dass sich mit Worten eigentlich noch gar nicht ausdrücken lässt. Dabei wird etwas, das dem nicht Benennbaren ähnliches ist, genommen und zugleich mit etwas verknüpft, was im Widerspruch dazu steht, um anzudeuten, dass nicht dieses Ähnliche gemeint ist, sondern ein ganz Neues. Mit der Zeit werden die Metaphern dann so "klar", dass sie gar nicht mehr als solche wahrgenommen werden. Deshalb kann man die Metapher hinterher nicht erklären, es bleibt immer ein Rest unerklärlich. Die schönsten Metaphern sind solche, die man gar nicht wahrnimmt.

Liebe Grüße
Thomas


P.S.: Was mir wichtig ist, habe ich übrigens in Ein Brotgelehrter ist kein Bäcker gesagt.

#10 RE: Metapher im Volksmund von Uller Rich 31.08.2015 08:33

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Lieber Thomas,
danke und Deine Ausführungen sind bedenkenswert, was ich noch nicht gleich vollziehen konnte. In diesem Zusammenhang wäre die Frage, was Du mit "entwickelt" meinst? Die gemeine Veränderung oder die inhaltlichen Feinheiten? Was man nicht in Worten ausdrücken kann, nimmt wohl eher ein Randposition ein? Mir erscheint die Mehrzahl der Fälle entweder als Gewohnheit/gewohnte Floskel oder eine Form der Betonung/Verdeutlichung. Auch über den "Widerspruch" und ff Worte muss ich noch nachdenken. Hast Du vielleicht ein Beispiel zur Hand?
Das viele M. als solche nicht mehr wahrgenommen werden (siehe Gewohnheit), birgt auch die Gefahr einer sinnentstellten Verwendung (leider nicht selten).
Mit fällt da eben kein Beispiel i.V.m. Metapher ein aber die Redewendung "das macht Sinn" oder "da müssen sie sich im Klaren werden", was mir sagt, dass Menschen nicht über ihre Sprache nachdenken. Selbst größte grammatische und semantische Fehler werden einfach übernommen.
Du gabst mir gute Denkanstöße - nochmals danke!
LG Ulrich

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