#1 Mütterdämmerung. von Carlino 23.07.2015 19:27

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Mütterdämmerung

Deutschlands bleiche Mutter streichelt
Tränentropfen rühren sie
Schmale Lippe Worte speichelt
Sachlich, ohne Empathie.

Zuzuführen einer Lösung
Sei Devise, ohne Hast
Wenn denn nötig, welch Entblößung,
Abzuschieben diese Last.

Kinderaugen traurig schauen,
Bleiche Mutter lobend spricht:
Gut gemacht! Kann man ihr trauen,
Kommt kaum aus dem Gleichgewicht?

Tiefe Furchen um die Öffnung,
Welche sonst der Mund genannt.
Unser aller welke Hoffnung,
Oh du armes Mutterland!

#2 RE: Mütterdämmerung von Heliane 23.07.2015 20:13

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Lieber Karlheinz,
herrlich! Ich lach mich kaputt! Diese Szene kam, ich weiß nicht wie oft, bei jeder Nachrichtensendung um zu zeigen, wie herzlich unser aller Angela doch mit den Problemen unserer lieben Zugereisten umgeht. Lächerlich und peinlich! Denn diese Dame ist eine Rampensau und weiß genau, wie und womit sie die Fotografen und damit die Presse beeindrucken kann. Ich habe über das betroffene Mädchen bisher nichts gelesen oder gehört, und Angela hüllt sich, wie so oft, in Schweigen.

Ein tolles und höchst aktuelles Gedicht, das sich richtig gut liest und die Bilder wieder sehr lebendig werden lässt .
Mit großem Vergnügen gelesen.
Herzliche Grüße,
Heliane.

#3 RE: Mütterdämmerung von Carlino 24.07.2015 09:40

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Liebe Heliane,

ja, die wollte sich zeigen als Retterin der Verfolgten und zugleich als Hüterin des Zutritts zum Garten Eden und das ging schief. Das flammende Schwert mit dem sie meinte, den Zutritt regulieren zu müssen, erwies sich als stumpf angesichts tränender Kinderaugen. Dann noch dieses unschuldig intelligente Auftreten von Reem, die schon so gut Deutsch gelernt hatte und eigentlich genau so ist wie man sich das bei Zuwanderern nur wünschen kann. Und dann noch dieser Moderator, der es wagte, Madam darauf hinzuweisen, wie schwer die Gefühlslage sei.
Dein Lob ehrt mich sehr und ich wünsche Dir einen wunderschönen Morgen und Tag
Karlheinz

#4 RE: Mütterdämmerung von wüstenvogel 02.08.2015 00:15

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Lieber Karlheinz,

auch mir gefällt dein Gedicht über "unsere" Mutti der Nation sehr gut. Wir werden sie wohl nicht los, wir müssen versuchen, sie zu überleben.
Heute hörte ich, dass sie 2017 auch wieder kandidieren wird - armes Deutschland!
Diese Frau darf sich scheinbar alles erlauben, auch kleine Flüchtlingsmädchen werden da eben mal benutzt, um eine Menschlichkeit vorzutäuschen, die schon lange den Bach runtergegangen ist.
Du hast das literarisch sehr gut umgesetzt!

Liebe Grüße

Michael

#5 RE: Mütterdämmerung von Carlino 13.08.2015 08:12

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Lieber Michael,

"benutzt" ist das richtige Wort für diese Masche! Sehr verräterisch war das Verhalten unserer Bundesmutti als der Moderator ihr die die Lage des Kindes vor Augen halten wollte, ihr barsches "das weiß ich auch" Oberspielleiter ähnlich. Vielen Dank für Deinen Kommentar und das Lob und viele Grüße aus Samothraki. Ab Oktober sind wir dann wieder Nachbarn, da wir dann wieder in Lützellinden sein werden.
Karlheinz

#6 RE: Mütterdämmerung von Ostseemöwe 30.10.2018 12:13

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lieber Karlheinz
ein Zufall hat mir dieses Gedicht von Dir angezeigt. Ich kann mich immer noch richtig gut an diese gestellte Diskussion und das Mädchen erinnern.
Nun sollte es mit der Mutter der Nation bald zu Ende gehen. Ich hoffe nur (und ich habe richtige Angst davor) Deutschland wird noch um einiges mehr Nationalistisch werden.

herzlichst Ilona

#7 RE: Mütterdämmerung von Carlino 05.11.2018 06:12

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Liebe Ilona,

ja, die Bleiche Mutter verlässt so langsam das Schiff, ich fürchte nur, die bleichen Väter, die folgen, sind viel bleicher und wir werden uns noch nach ihr sehnen!

Danke fürs Ausgraben und Grüße aus Lüli
Karlheinz

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