#1 Zeitläufte von Priska 05.06.2015 09:08

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Verirrt in die Straßen der Kindheit,
stand ich vor den bekannten Häusern;
noch immer üppiges Grün, Duft von
Rosen wie damals, als unser Leben
einzig ein Traum war

Die Hausnummern sprachen
von uns Kindern, der und die wohnten
dort und dort, noch einmal die Rufe
der Mütter, noch einmal die Gerüche
der Hauseingänge

Still war es, nirgendwo
spielende Kinder, die Straße nun halb
in der Sonne, mitten durch
die Menschenleere ging ich, gepeinigt
vom Lärm meiner Schritte

Zuletzt noch einmal die Rosen
vorm Haus, suchend ein Blick hinauf
zu den Fenstern, zu fremden Gardinen,
und mir war, als geriete ein wenig
das Herz aus dem Takt

#2 RE: Zeitläufte von Klatschmohn 05.06.2015 11:48

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Liebe Priska,

eigentlich sollte man zu dem Gedicht gar nicht viel sagen, sondern es einfach nur wirken lassen.
Beim Lesen erwachten auch in mir Bilder von der Straße meiner Kindheit. Dein Gedicht ist einfach nur zauberhaft.

Dankbare Grüße, Heidi

#3 RE: Zeitläufte von Priska 05.06.2015 16:14

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Ach was, ich habe zu danken, Klatschmohn. Vielleicht geht es nicht jedem so, wenn er an den Ort seiner Kindheit zurückkehrt, aber ich glaube, so geht es vielen. Die raue Wirklichkeit kann nur enttäuschen. die Kindheit lebt in der phantastischen Erinnerung weiter, und da ist sie gut aufgehoben.

Priska

#4 RE: Zeitläufte von anna a. 05.06.2015 22:11

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Liebe Priska,

ich fühlte mich von dem Titel angezogen und las ...für mich ist dies ein leicht beklemmend wirkender Text , Kindheit ja, aber auch Erinnerungen der besonderen Art tauchen auf. Ich hatte wie heidi sofort jede Menge Bilder vor mir ..

Herzlichst

Anna

#5 RE: Zeitläufte von Priska 06.06.2015 08:11

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Ja, man geht gern zurück an einen Ort, wo man Kind war, Anna, und wie oft ist man dann enttäuscht, weil nichts mehr so ist, wie es war oder wie es einmal schien. Kindheit bedeutet nicht immer und nicht nur Glück, aber die Erinnerung möchte uns in der Illusion von Glück leben lassen, sie baut einen Traum vor uns auf, das ist sehr menschlich von der Erinnerung. Und dann steht man vor dem Haus, fühlt die Türklinke in der Hand und wagt nicht, die kindliche Welt zu entschleiern. Man hat eben dazugelernt.

Priska

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