#1 Terzanellen von Heliane 11.03.2015 15:53

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TERZANELLEN

Allgemein
Als Erfinder der Terzanelle gilt der amerikanische Dichter und Universitätsprofessor Lewis Turco (*1934). Seine erste und bekannteste Terzanelle trägt den Titel Terzanelle in Thunderweather (1965).

Form
Bei der Terzanelle handelt es sich um eine poetische Verbindung zwischen Terzine und Villanelle. Sie umfasst 19 Verse; davon fünf Terzette und ein abschließendes Quartett. Eine seltenere Form umfasst 12 Terzette und die aus vier Versen gebildete Conclusio, also 40 Zeilen.
Die Verse einschließlich der Reime wiederholen sich regelmäßig durch die gesamte Terzanelle. Der mittlere Vers jeder Strophe wird zum letzten Vers der folgenden Strophe. Im abschließenden Quartett wiederholen sich der erste, elfte und dritte Vers. Die Zeilen sollten sich unverändert wiederholen.
Als Versform wird der Jambus mit fünf Hebungen und klingenden (weiblichen) Kadenzen bevorzugt. Aber auch Sechs- und Mehrheber mit stumpfen (männlichen) Kadenzen wurden in letzter Zeit bekannt.

Inhalt
Weil sich die Verse nicht nur wiederholen, sondern miteinander kunstvoll verwoben sind, wird eine starke Eindringlichkeit des Inhalts erreicht. Ziel ist ein zusammenhängender und Sinn gebender Text, der im letzten Quartett entsprechende Wirkung erzielt.

Glossar
Conclusio: Schlussteil einer Rede; abgerundete (geschlossene) Formulierung eines Gedankens.
Hebung/Senkung: Bezogen sich zunächst auf das Aufheben und Niedersetzen der Füße bei Tanz, auf das Heben und Senken der Stimme beim Vortrag, später auf das Auf und Ab des Taktstocks. Mit arsis werden die leichten, schwachen bzw. kurzen Silben bezeichnet, mit basis entsprechend die schweren, starken bzw. langen Silben. Hebungen sind meist einsilblig, Senkungen ein- oder mehrsilblig.
Jambus: Zweisilbliger Versfuß der Form xXxXxX.....
Kadenz: Versschluss bzw. Silbenfall am Ende eines Verses. Unterschieden werden weibliche (klingende) und männliche (stumpfe) Kadenzen. Die weibliche Kadenz ist zweisilblig (Hebung und Senkung), die männliche Kadenz ist einsilblig (Hebung).
Quartett: Vierversiger Abschnitt eines Gedichtes, Strophe.
Terzett: Dreiversiger Abschnitt eines Gedichtes, dreizeilige Strophe.

Beispiel
Terzanelle in Thunderweather, Lewis Turco

This is the moment when shadows gather
under the elms, the cornices and eaves.
This is the center of thunderweather.

The birds are quiet among these white leaves
where wind stutters, starts, then moves steadily
under the elms, the cornices, and eaves--

these are our voices speaking guardedly
about the sky, of the sheets of lightning
where wind stutters, starts, then moves steadily

into our lungs, across our lips, tightening
our throats. Our eyes are speaking in the dark
about the sky, of the sheets of lightening

that illuminate moments. In the stark
shades we inhibit, there are no words for
our throats. Our eyes are speaking in the dark

of things we cannot say, cannot ignore.
This is the moment when shadows gather,
shades we inhibit. There are no words, for
this is the center of thunderweather.
Kopiert aus Wikipedia „Lewis Turco, Terzanelle in Thunderweather“

Versmaß
Vers 1 (a)
Vers 2 (b)
Vers 3 (a)

Vers 4 (b)
Vers 5 (c)
Vers 2 (b)

Vers 6 (c)
Vers 7 (d)
Vers 5 (c)

Vers 8 (d)
Vers 9 (e)
Vers 7 (d)

Vers 10 (e)
Vers 11 (f)
Vers 9 (e)

Vers 12 (f)
Vers 1 (a)
Vers 11 (f)
Vers 3 (a)

Terzanellen aus dem Musengarten

Quellennachweis
Wolfgang Kayser: Kleine deutsche Versschule; UTB, ISBN 978-3-1727-3
F.G. Jünger: Rhythmus und Sprache im deutschen Gedicht; Cotta Verlag, ISBN 3-608-95489-9
Chr. Wagenknecht: Deutsche Metrik; CH. Beck Verlag, ISBN 798-3-406-55731-6
H.J. Frank: Handbuch der deutschen Strophenformen; UTB für Wissenschaft, ISBN 3-8352-1732-9

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