#1 .Zeit von Heliane 24.02.2015 18:49

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Zeit

Mensch Alta, Tach, steht noch wat an?
Jetz is ja Wochenende dran.
Ick sach nur eenet heute: Zeit,
wat binnick abends imma breit.

Ja Mannomann, wat mach ick bloß?
Schon nächtens jeht de Hetze los.
Du gloobstit nich, um Klocke Zehn,
da sollick Schrippen holen jehn.

Um Zwölfe, ick les grade BILD -
wat macht de Kleenen teufelswild -
da kommt die mitte Lappen rin.
Ick kieke überhaupt nich hin.

Verfatzma erst mal uffs Klosett,
werd druselich und krauch int Bett.
Da stürzt de Kleenen int Kabuff.
Und wat mach ick? Steh wieder uff.

So hetzt se mir, macht ständich Krach,
den janzen lieben langen Tach.
Jetz hattse Streik mir anjedroht.
Weest wat? De Weiba sind verroht:

Meent voller Ernst, ick wäre faul.
Wart ab, der stoppick bald dit Maul.
Ick loof wien Hamster rum und rum,
jeb immer nur meen Maximum,

wat janz bestimmt nich is jesund.
Pass uff, bald loofick nich mehr rund.
Will bloßn Happen Ruhe ham,
hat die doch ooch, für der ihr Kram.

Verstehste, dettick knülle bin?
Nu los, ne Molle passt noch rin,
son Kurzer ooch noch, haste Zeit?
Een Prost uff unser Männlichkeit.

#2 RE: .Zeit von Ostseemöwe 25.02.2015 11:48

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liebe Heliane
ich liebe ja Mundart
auch die Berliner Schnauße.
Ja die Männer werden nun schon am Wochenende gejagt und das von den eigenen Frauen.
In der 5. Strophe bin ich ins stolpern gekommen, kann aber auch an meine Aussprache liegen.
Ich habe den Roman von von Robert Gover beendet, "Ein Hundertdollar Misverständnis". Sehr sehr zu empfehlen für alle die auch gerne Dialekte und den Jargon verschiedener Klassenschichten lesen.
herzlich Ilona

#3 RE: .Zeit von Heliane 25.02.2015 11:59

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Liebe Ilona,
ja, ich mag Mundarten auch sehr gerne. Zugegeben, die Berliner Schnauze ist nicht besonders schön, aber sie ist witzig und zuweilen staubtrocken.
Du kommst mit der 5.Strophe nicht klar? Hmmmm, schau mal:
So hetzt se mir, macht ständich Krach,
den janzen lieben langen Tach.
Jetz hattse Streik mir anjedroht.
weest wat? De Weiba sind verroht:
Ich lese keinen Hüpfer - ich bin Berlinerin und kenne den Tonfall. Als "Nordlicht" könntest du in der Tat Probleme bekommen, so wie ich bei Autoren, die im Norden beheimatet sind.
Herzlichen Dank für deinen Kommentar und viele liebe Grüße,
Heliane.

#4 RE: .Zeit von Ostseemöwe 25.02.2015 12:21

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vielen Dank
liebe Heliane nun ging es besser beim lesen
und wie betonst Du

Zitat
Pass uff, bald loofick nich mehr rund.
Will bloßn Happen Ruhe ham,


loofick - ich hab zuerst auf fick betont ist sicher falsch
herzlich Ilona

#5 RE: .Zeit von Heliane 25.02.2015 17:03

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Hihi
Pass uff, bald loofick nich mehr rund.
Will bloßn Happen Ruhe ham,
Grüßle,
Heliane.

#6 RE: .Zeit von Priska 07.05.2015 07:41

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Hallo Medusa,

na, dann sind wir ja Landsleute sozusagen. Dein Gedicht trifft die Berliner Schnauze, wie sie leibt und lebt, kann ich nur bestätigen. Fast ist es mir schon ein bisschen zuviel. Wobei es verschiedene Grade des Berlinischen gibt, ein bürgerlicher Intellektueller, der selbstverständlich in Berlin auch berlinert, würde vielleicht nicht so in die Vollen gehen. Aber das Gedicht ist gut gemacht, ich habe mich amüsiert.

Priska

#7 RE: .Zeit von Jorsch 07.05.2015 10:29

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Morjen Medusa,

is ja fast wie zu Hause!
in meenen Kitz!

Na dann noch allet Jute vom Jorsch

#8 RE: .Zeit von Heliane 07.05.2015 13:13

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Liebe Priska,

als sich damals die Mauer öffnete, haben wir hin und wieder einen "Zug durch die Kneipen" gemacht. Die Mundart fazinierte uns, weil wir in den westlichen Bezirken mehr oder weniger Hochdeutsch sprachen. Anfangs machte ich mir Notizen, später nahm ich die Gespräche auf. Leider geht die Mundart allmählich verloren, der Klang jedoch bleibt! Zum Glück gibts inzwischen Wörterbücher, für Zugereiste sicher hilfreich .
Aus der Reihe dieser "Stammtischgedichte" tummeln sich noch ein paar im Musengarten.

Es freut mich sehr, dass dir dieses Gedicht gefällt, lieben Dank fürs Lob .
Herzliche Grüße an die "Landsleutin",
Heliane.



Lieber Jorsch,
danke .
Wennet wie Kiez rüberkommt, denn isset jut. Dir ooch allet Jute
Herzliche Grüße,
Heliane.

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