#1 Prachtfarben von Ostseemöwe 09.02.2015 20:46

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Prachtfarben

Dieser Abendhimmel prophezeit
einen kaleidoskopischen Morgen.
Ich lege mein duftiges Kleid zurecht.
Mein Irisleuchten bette ich
in meine Jugendträume.

Das kleine Floß trägt mich
hinüber zur Rettungsinsel.
Die kurze Frist bis zum Sonnenaufgang
zu überbrücken
fällt heute so leicht.

#2 RE: Prachtfarben von Heliane 14.02.2015 14:50

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Liebe Ilona,

hübsche Bilder, den Sinn verstehe ich nur schwer. Mach dir nix draus, so was passiert mir bei freier Lyrik öfter .

Womit wir beim Thema wären: Auch freie Lyrik sollte sich durch Melodie und Rhythmus auszeichnen, welche sich durch eine gezielte Versstruktur bzw. Regelmäßigkeit erreichen lassen; Silben zählen oder laut lesen können dabei hilfreich sein.

Ich habe mir die Mühe gemacht und deine Verse durchgezählt und finde kaum einen, der zum anderen passt. Jamben und Daktylen wechseln sich ohne erkennbaren Grund ab und in zwei Versen (S2 V1 und V3) kommt es sogar zum Hebungsprall, welcher in Langversen durchaus für Spannung sorgen kann, nicht aber hier.
Einzig S1 V1, V4 und V5 sowie S2 V4 sind im klangvollen Jambus geschrieben, der natürlich nicht zwingend ist – es gibt jede Menge Versformen, von denen die meisten für freie Lyrik durchaus geeignet sind.

Abgesehen von deinen Wortschöpfungen (kaleidoskopischer Morgen, Irisleuchten) und dem „Kopfkino“ gefällt mir dein Gedicht überhaupt nicht.
Herzliche Wochendgrüße,
Heliane.

Ich mag die X-erei nicht, meist hilft sie nicht weiter. Hier könnte sie vielleicht veranschaulichen, was ich bemängele:
Dieser Abendhimmel prophezeit
einen kaleidoskopischen Morgen.
Ich lege mein duftiges Kleid zurecht.
Mein Irisleuchten bette ich
in meine Jugendträume.
XxXxXxXxX
XxxXxXxxXx
xXxxXxxXxX
xXxXxXxX
xXxXxXx

Das kleine Floß trägt mich
hinüber zur Rettungsinsel.
Die kurze Frist bis zum Sonnenaufgang
zu überbrücken
fällt heute so leicht.
xXxXXx
xXxxXxXx
xXxXXxXxXx
xXxXx
xXxxX

#3 RE: Prachtfarben von Ostseemöwe 14.02.2015 15:14

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liebe Heliane
was Du schreibst ist echt spannend. Mir fehlt heute die richtige Muse. Aber ich will es gerne mal mit einem einheitlichen Metrum versuchen.
Ich bin selbst gespannt was an Tiefe dann aus dem Text wird.
Mit dem Verstehen geht mir es oft mit gereimten Texten so. Da habe ich ganz oft den Eindruck, die Bedeutung verschwimmt durch das krampfhafte Suchen nach Endungen. Oder dem Verfasser ist die Melodie des Textes wichtiger als das was er mir sagen möchte.
Wenn ich Gereimtes lese, dann möchte ich nicht an jedem Zeilenende merken, ach der hat sich um einen Reim bemüht.
Verstehst Du was ich meine? Bei solchen Gedichten denke ich immer, hätte er aufs reimen versichtet wäre sicher ein gutes Gedicht entstanden.

herzlich Ilona

#4 RE: Prachtfarben von Heliane 14.02.2015 15:40

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Liebe Ilona,
ja, ich verstehe, was du meinst und stimme dir zu. Es ist halt sehr schwierig, passende Reime zu finden; zuweilen artet der Zwang zu Kuriositäten aus . "Ernsthafte" Reimer finden meist einen Weg .
Aber auch die freie Lyrik entartet für den Leser oft zu unangenehmen Reihen, die keinen Sinn ergeben, keine Melodie transportieren etc.
Arbeiten wir dran?
Herzlich,
Heliane.

#5 RE: Prachtfarben von 14.02.2015 16:32

Liebe ilona,

am späten Abend werden schon Vorbereitungen für den nächsten Morgen getroffen, an den in Gedanken freudige Erwartungen von Jugendträumen geknüpft sind. Mit der Rettungsinsel ist sicher der nächste Morgen gemeint, der leicht mit dem Traumboot überbrückt wird.
Eine schöne träumerische Aussage.

LG Hans

#6 RE: Prachtfarben von Ostseemöwe 14.02.2015 22:18

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lieber Hans
ja genauso ist es gemeint.
Vielen Dank
herzlich Ilona

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