#1 Das letzte Geleit von anna a. 17.08.2014 00:28

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Das letzte Geleit

Ein Zug schwarz gekleideter Menschen
bedrückt und die Köpfe gesenkt,
vertieft in verstummten Gesprächen,
den Blick in das Jenseits gelenkt,

begleitet er jenen Verstorbenen,
der allen am Herzen sehr lag,
betrachtet für sich im Verborgenen,
dass jeder für sich doch vermag,

gemeinsam den andern zu stützen
in dieser hochtraurigen Zeit,
sich trotz des Verlustes zu schützen.
Von Liebe geprägt - das Geleit.

#2 RE: Das letzte Geleit von Derolli 17.08.2014 08:52

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Liebe Anna,

ich habe genossen, was ich bei denen Worten erlebt habe - die letzte Strophe ist eine echte Steigerung, die Idee entwikelt sich stringent zu diesem Höhepunkt. Oft ist es so, dass die Idee des Gedichtes am Anfang eingebracht wird und die weiteren Strophen (plotzen muss ich hier ganz klar rausnehmen, denn bei dem sitzt die Pointe meist exakt am Ende und das ist ja das Highlight) wirken fast wie Beiwerk. Dein Gedicht ist in dieser Hinsicht ein echter Knaller.

In Strophe eins und zwei wechselst du glaube ich etwas überraschend zwischen Plural und Singular hin und her (Zug (Pl), Köpfe (PL), Gesprächen (PL), Blick (Si), er (Si), allen (PL), am Herzen(Si), für sich (Si) usw.), ich denke das ist etwas wild. In der letzten Strophe wird das dann aber schön harmonisch.

Liebe Grüße

Derolli

#3 RE: Das letzte Geleit von Ostseemöwe 17.08.2014 10:48

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liebe Anna

mein Gemüt ist sicher sehr vom logischen geprägt, auch wenn sich die Zeilen gut lesen frage ich immer nach dem inneren Sinn.
Manches kommt mir allerdings hier etwas komisch vor und hat mich zum schmunzeln veranlasst.
Ein Zug schwarz gekleideter Menschen
mit Köpfen bedrückt und gesenkt,

Stelle Dir mal ein Zug Menschen ohne Köpfe vor
mit Köpfen bedrückt und gesenkt,
vertieft in verstummten Gesprächen,
den Blick in das Jenseits gelenkt,

die Köpfe gesenkt und der Blick ins Jennseits gelenkt. Nun ich sehe da Köpfe die am Schopf Augen haben und nach oben ins Jennseits schauen. Und gleich wirken diese Menschen etwas sehr komisch auf mich.

sich trotz des Verlustes zu schützen.

diese Zeile, was soll sie mir sagen? kann ich mich vor dem Verlust oder vor den Tod schützen?

Die Metrik ist Dir hier gut gelungen, alles schön im Daktylus, bis auf Str.3 Zeile 2 einmal im Jambus (was aber nicht störend ist)
mir scheint es hier aber, der Inhalt wurde dem Metrum geopfert und deshalb ergeben sich Bedeutungen die zum Schmunzeln sind.

herzlich Ilona

#4 RE: Das letzte Geleit von Thomas 17.08.2014 15:55

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Liebe anna a.,

um Ostseemöwes Kritikpunkte zu beseitigen, könnte man z.B. sagen:

Ein Zug schwarz gekleideter Menschen
bedrückt und die Köpfen gesenkt,
Gedanken umkreisen Vergangnes
und werden aufs Jenseits gelenkt,


usw. oder ähnlich.

Liebe Grüße
Thomas

P.S.: In der Folgestrophe müsst man dann auch ein wenig ändern.

#5 RE: Das letzte Geleit von anna a. 17.08.2014 16:41

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Liebe alle,

Vielen Dank für die Anregungen. Ich war in der Tat unglücklich mit der " Kopf " Zeile , Thomas deine Idee ist toll- das wollte ich ausdrücken..

also tüddel ich mal wieder...

Schönen Sonntag euch

Anna

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