#1 Tulpenstrauß * von Thomas 23.06.2014 06:56

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Tulpenstrauß

Im Kindergarten spielten
sie Bräutigam und Braut,
die schönsten roten Tulpen
hat er für sie geklaut.
Er schwor ihr ewge Treue
und küsste ihren Mund,
sie musste plötzlich weinen
und wusste nicht den Grund.

Refrain:
Nur ein Name auf dem Stein
und von Jahr zu Jahr
einen frischen Tulpenstrauß,
wenn es Frühling war.

Er fuhr so gerne Fahrrad,
war schneller als der Blitz.
Er stand in den Pedalen,
und sie saß auf dem Sitz.
Und frisch im Winde wehte
sein langes, blondes Haar,
und alle konnten sehen,
dass sie sein Liebling war

Refrain:
Nur ein Name auf dem Stein
und von Jahr zu Jahr
einen frischen Tulpenstrauß
wenn es Frühling war.

Wenn alle morgens schliefen,
lief er ins Feld und schwang
sich auf ein Pferd und jagte
den Weg zum Dorf entlang
und trabte ohne Sattel
ganz zügellos und frei,
und rief, dass sie die Liebste
und Allerschönste sei.

Refrain:
Nur ein Name auf dem Stein
und von Jahr zu Jahr
einen frischen Tulpenstrauß
wenn es Frühling war.

Dann kam er in die Lehre.
Von seinem ersten Geld,
da kauft‘ er ein Motorrad,
das schönste auf der Welt.
Wie seine Haare wehten!
Und sie, sie war sein Traum,
und dann kam diese Kurve
und dann kam dieser Baum.

Refrain:
Nur ein Name auf dem Stein
und von Jahr zu Jahr
einen frischen Tulpenstrauß
wenn es Frühling war.


© Ralf Schauerhammer


Behutsalem gewidment (Inschrift)

#2 RE: Tulpenstrauß * von Ostseemöwe 23.06.2014 11:37

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lieber Thomas

ein schöntrauriges Gedicht. Manchmal meint es das Schicksal nicht gut und der Jugendtraum endet sehr schnell.
Und selbst eine Kurve oder ein Baum können schicksalhaft sein.
Ich habe es ja nun erst jetzt erleben müssen.
Gefällt mir sehr Dein Gedicht

herzlich Ilona

#3 RE: Tulpenstrauß * von 23.06.2014 11:53

Lieber Thomas,

der Refrain lässt uns von Beginn an das dramatische Ende erahnen und macht die ganze Ballade trotz der frohen Liebe zu einem schwermütigen Geschehen. Gerade die Spanne von Glück zum schrecklichen Ende macht auch die gute Qualität Deiner Ballade aus, die Dir so hervorragen gelungen ist.

LG Hans

#4 RE: Tulpenstrauß * von Methusalem 23.06.2014 13:28

Hallo Thomas,
gute Geschichte gut erzählt Auf den Refain könnte ich verzichten.
Gruß
Levi

#5 RE: Tulpenstrauß * von Klatschmohn 24.06.2014 21:09

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Lieber Thomas,
willst Du, dass ich weine? Ich bin ganz nah dran. Wie schrecklich!
Mir gefällt der Refrain übrigens sehr gut, das unterstreicht die Tragik.
Am Gedicht gibt es gar nichts zu meckern und zu nörgeln.
Man könnte es auch als Warnung nehmen, nie ohne Helm Motorrad zu fahren.
Vielleicht wäre dann nicht so was Schlimmes passiert.
Liebe Grüße, Heidi

#6 RE: Tulpenstrauß * von Behutsalem 24.06.2014 21:10

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Lieber Thomas!

Puhh, das ging gerade eben sehr unter die Haut.
Ich weiß ehrlich gesagt nicht was ich schreiben soll.
Mich berührt es ungemein, weckt natürlich Erinnerungen.
Erinnerungen an eine wunderschöne Zeit;
Ich glaube ich muss dir meine Antwort heute schuldig bleiben..
außer natürlich das ich total gerührt bin und mich von ganzem Herzen dafür bedanke
und den Refrain als was besonderes ansehe..

Mehr in einer PN!

Danke, liebe Grüße, Behutsalem

#7 RE: Tulpenstrauß * von anna a. 24.06.2014 21:32

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Lieber Thomas ,

das jähe Ende des nach Freiheit dürstenden jungen Liebenden hat mein Herz richtig berührt. Ich sah die Haare, fühlte den Fahrtwind und das mir-gehört-die - Welt -Gefühl und hörte dann den Knall....

Anna Amalia

#8 RE: Tulpenstrauß * von Heliane 24.06.2014 21:36

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Lieber Thomas,

der Refrain muss sein! Erstens passt er ganz hervorragend zum Gedicht und Zweitens zur Ballade!
Morgens hätte ich dieses schaurig-schöne Gedicht nicht lesen dürfen - es hätte mir den Tag versaut. Jetzt, am Abend, kann ich damit etwas gelassener umgehen.
Es ist eine wundervolle und zweitgmäße Ballade, ganz großartig formuliert und sie lässt die Leserin wegen des schroffen Endes sehr betroffen zurück.

Nach dieser Lektüre fällt es mir schwer, Kritik zu üben.
Schau doch mal, ob du die vielen 'und' an den Verseingängen nicht korrigieren kannst; manche ließen sich ganz einfach ersetzen.

Zitat
Dann kam er in die Lehre Punkt?
von seinem ersten Geld, Vorne Majuskel?
da kauft‘ er ein Motorrad, Hier stimmt was nicht!
das schönste auf der Welt.
Wie seine Haare wehten!
Und sie, sie war sein Traum,
und dann kam diese Kurve
und dann kam dieser Baum.


Diese Ballade geht unter die Haut!
Nicht wirklich gerne gelesen, trotzdem Glückwunsch zu diesem äußerst gelungenen Werk!
Herzliche Grüße,
Medusa.

#9 RE: Tulpenstrauß * von Thomas 24.06.2014 23:51

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Liebe Medusa,

danke für den Punkt. Er ist sofort an die richtige Stelle gehüpft. Es müsste kaufte heißen, ich bekomme es nicht besser hin. Die unds sind schon ok "und" vor allem in der letzten Strophe Absicht.

Vielen Dank für den Kommentar. Es ist in der Tat traurig und Behutsalems Gedicht, welches noch trauriger ist, hat mich dazu angeregt.

Liebe Grüße
Thomas

#10 RE: Tulpenstrauß * von Derolli 27.06.2014 12:06

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Lieber Thomas,

tiefsinnig bist du, das habe ich schon oft an deinen Worten bewundert. Hier kam mir beim ersten Lesen, allerdings sofort in den Sinn - einer wird sterben - und ich dachte das Mädchen wärs - wegen dem Weinen (ich dachte mir ihr stimmt was nicht / Gesundheit). Aber beim zweiten und dritten Lesen habe ich dann erst bemerkt was du da in Wirklichkeit gemacht hast. Du hast die Rollen miteinander vertauscht wärend des Gedichtes. Das ist doch einfach immer wieder fantastisch zu sehen, wie du geschickt an solchen Feinheiten arbeitest.

Erst schenkt er die Tulpen und ist der Starke, sie ist zerbrechlich und am flennen.
Am Ende des Gedichtes steht dann aber das genaue Gegenteil fest. Sie hat überlebt, sie bleibt stark, so wie auch ihre Erinnerung an ihn - sie schenkt nun die Tulpen (gleich von Anfang an die passenden Grabblumen eingebaut - das ist auch ein toller Effekt) und er ist tot und zerbrochen.

Ich kann es nur immer wieder betonen, Thomas deine Gedihte zu lesen und sie zu ergründen ist mir die reinste Freude.

Liebe Grüße

Derolli

#11 RE: Tulpenstrauß * von Thomas 27.06.2014 13:55

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Ihr Lieben,

ich muss mich entschuldigen. Ich habe erst eben beim Lesen von Derollis Kommentar gemerkt, dass ich nur auf Medusa geantwortet habe. Ich weiß nicht, wie das passiert ist. bitte verzeiht mir diese Schusseligkeit. Ich habe jetzt alles gelesen und bin bewegt von den lieben Antworten, insbesondere von Behutsalem, der ich ja eigentlich da Gedicht verdanke. Ich weiß auch gar nichts zu sagen, außer dass ihr meiner Meinung nach Recht habt, und dass ich mich freue so aufmerksame und nette Kommentatoren und Leser zu haben.

Liebe Grüße
Thomas

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