#1 Brautrose von Thomas 15.06.2014 17:49

avatar

Brautrose

Das frohe Fest verrauschte,
ein fahler Morgen graut,
die letzten Zecher preisen
die Schönheit dieser Braut.

Vom Park und der Terrasse
weht kühler Hauch herein
und meine Augen gehen
spazieren – von allein.

Sie bleiben plötzlich stehen
und rasten unbewegt
am Fuß der weißen Säule,
die eine Kerze trägt.

Dort liegt die rote Rose,
die aus dem schwarzem Haar
der Braut beim Tanz gefallen,
als sie so glücklich war.

Da liegt sie nun verloren,
in letzten Duft gehüllt.
Es malt der Schein der Kerze
ein dunkles Schattenbild

der Blüte auf die Erde,
und wenn der Blick sie streift,
bemerkt er dieses Welken,
das ihre Pracht umgreift.

Die Blütenblätter neigen
sich vor des Schattens Macht,
sie neigen sich zum Tode
noch in der Jugend Pracht.


© Ralf Schauerhammer

#2 RE: Brautrose von Ostseemöwe 15.06.2014 21:26

avatar

lieber Thomas
das Gedicht ist wunderschön, wunderschön in seiner Melancholie, wunderschön vom Inhalt und den Metaphern.
Besonders schön sind die Farben, sie kommen so selbstverständlich daher und sagen soviel über die Vergänglichkeit aus.

Ein Favorit den ich mir gleich auf meine Liste der schönsten Gedichte notieren werde.

herzlich Ilona

#3 RE: Brautrose von Thomas 16.06.2014 11:01

avatar

Liebe Ostseemöwe,

vielen Dank für den einsichtsvollen Kommentar. Das Gedicht ist eine Überarbeitung und ich habe es schon früher einmal in ungereimter Form eingestellt. Jetzt würde mich sehr interessieren, welche Variante besser ist.

Liebe Grüße
Thomas

P.S.:

Damit man die reimlose Form besser finden kann, hier sit der Link

#4 RE: Brautrose von Ostseemöwe 16.06.2014 11:43

avatar

lieber Thomas

ich habe nun auch das Ungereimte gelsen. Beide sind sehr schön. Ich denke aber, sollte ich mich entscheiden müssen, ich würde in diesem Fall diese Variante den Vorzug geben.
und das sagt die eine Lyrikerin die mit Vorliebe freie Lyrik schreibt.

herzlich Ilona

#5 RE: Brautrose von 16.06.2014 15:32

Lieber Thomas,

mir gefallen die kurzen Verse, welche die Reime und so auch die Aussage besonders gut zur Geltung bringen. Die melancholische Aussage spricht das Gefühl in zarter Weise gut dargestellt an. Insgesamt ein sehr schönes Gedicht für einen guten Platz in einer Favoritenliste. In S1V4 hätte ich "einer Braut" geschrieben, da zuvor nicht von einer bestimmten Braut die Rede war, ansonsten ist für mich alles sehr gut.

LG Hans

#6 RE: Brautrose von anna a. 16.06.2014 17:24

avatar

Lieber Thomas,

In mir tauchte sofort ein Bild aus dem 19. Jahrhundert auf....mir gefällt das knappe Spiel von Licht und Schatten auf jeder Ebene...

Liebe Grüsse

Anna

#7 RE: Brautrose von 17.06.2014 09:10

Hallo Thomas,

das ist erst mein zweiter Kommentar. Ich bitte also nicht allzu streng mit mir zu sein .
Mir gefällt diese gereimte Version besser. Die Reime wirken zwanglos und natürlich und ergeben zusammen mit dem 3-hebigen, streng alternierenden Metrum eine Art Bänkelgesang, zu dem man sich Drehorgelbegleitung gut vorstellen kann. Die Reime unterstützen diese Wirkung meiner Meinung nach und geben der Ahnung von Vergänglichkeit Nachdruck, indem ein Vers den nächsten nach sich zieht und das Geschehen unaufhörlich dahinfließen lässt.

Viele Grüße, Linde

#8 RE: Brautrose von Thomas 17.06.2014 10:50

avatar

Liebe Ostseemöwe, anna a., Gelinde, lieber Hans,

vielen Dank für eure Kommentare und Lob. Es freut mich, dass Ihr den Vergleich mit der ungereimten Form (ein unzureichender Versuch mich in diese Richtung zu tasten) gemacht habt und zu dem gleichen Ergebniss gekommen seit wie ich. Die von Gerlinde bemerkte Singbarkeit ist mir auch wichtig, es könnte sogar einmal ein Lied werden. Und wenn es bei anna auch noch ein konkretes Bild anregt, freut mich das um so mehr, es ist also plastisch. Den Vorschlag von Hans ("einer" Braut statt "dieser" zu sagen) möchte ich nicht aufnehmen, da es bei dem Gespräch der Zecher um eine ganz bestimmte Hochzeit und "diese" Braut geht, die heute tanzte, geht.

Liebe Grüße
Thomas

#9 RE: Brautrose von Heliane 21.06.2014 11:29

avatar

Lieber Thomas,

zur ungereimten Fassung habe ich bereits kommentiert, sie hat mir gut gefallen.
Jetzt aber, nach der gereimten Form, ist dieses Lob fast hinfällig - das gereimte Gedicht gefällt mir um ein Vielfaches besser! Mir erscheinen die Bilder deutlicher, die Sprache runder und der Klang viel schöner!

Glückwunsch zur gelungenen Überarbeitung!
Herzliche Grüße,
Medusa.

#10 RE: Brautrose von Derolli 22.06.2014 15:50

avatar

Lieber Thomas,

da ich mich ja ohnehin als absoluter Fan deiner Gedichte geoutet habe, kann ich ruhigen Gewissens auch in diesem schwelgen. Was mir immer mehr auffällt, das ist die Kunst (also als echtes Handwerk betrachtet), die deine Verse ziert.
Singbar? Ja, aber meiner Meinung nicht zum Leiherkasten, denn die kurzen Verse sind mir zu schnell für den Leiherer. Sie rauschen vorbei, lassen kaum anhalten, eben so wie die Bilder der Erinnerung. Die Braut, welche sich in der personifizierten Rose spiegelt, beginnt jetzt zu welken, die Blüte war, die Hochzeit sozusagen. Der Betrachter ist sofort gefangen und kann sein eigenes Leben revue passieren lassen. Packend!

Nur an einer Stelle hält das Gedicht kurz inne und zwar beim Enjambement von S5 auf S6. Das ist die Kunst, Wort und Schriftbild passen ("auf die Erde" - was ein super Enjambement).

Süüüper!

Liebe Grüße

Derolli

#11 RE: Brautrose von Thomas 26.06.2014 12:21

avatar

Liebe Medusa,

entschuldigt, dass es mit der Antwort wieder einmal gedauert hat. Als ich mir die Kommentare zur ungereimten Version nochmals angesehen habe, musste ich schmunzeln. Ich habe nichts mehr an dem Text gemacht, aber wahrscheinlich hat er doch im Hinterkopf weitergearbeitet. Deshalb vielen Dank für die Kritik, denn auch ich finde es jetzt besser.

Lieber Derolli,

dein Kommentar tut mir wirklich gut, vor allem, weil du mir Wichtiges entdeckt hast, u.A. die Rolle es Enjambements.

Euch beiden liebe Grüße
Thomas

#12 RE: Brautrose von Yette von York 26.06.2014 12:32

avatar

Lieber Thomas,
hier passt m.E. der halbe Kreuzreim sehr gut.

Dein Gedicht hat mich leicht betrübt, denn das Bild der welkenden Rose hat ja etwas mit Vergänglichkeit zu tun – wo ich doch (vor allem weiße) Rosen so mag.

Dunkelroten Rosen wird übrigens nachgesagt, sie repräsentieren den Tod.

Sehr schönes Gedicht.

Alles Liebe von Yette

#13 RE: Brautrose von Sanderling 13.05.2019 23:26

avatar

Lieber Ralf,
sehr eindrücklich und ausdrucksstark.
Sehr schön!
Liebe Grüße
der Sanderling

#14 RE: Brautrose von Thomas 14.05.2019 21:38

avatar

Lieber Sanderling,

herzlichen Dank.

Liebe Grüße
Thomas

Xobor Xobor Community Software