#1 Ouroboros. von Carlino 14.06.2014 21:37

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Ouroboros

Schlange, Schlange an dem Baum
züngelst heftig, geiferst Schaum.
Einst verdammt zur Wiederkehr,
dient dein Leib dir zum Verzehr.

Ohne Beine musst du kriechen,
Gifte spenden für die Siechen.
Ewig musst du um dich kreisen,
dich im eignen Schwanz verbeißen.

Schlange, Schlange an dem Baum
züngelst heftig, geiferst Schaum.
Wer war´s wohl, der dich verstieß
aus dem Gartenparadies?

War es nicht der Schöpfer selber?
Fragen hier die klugen Kälber.
Was bezweckte ER hier dann,
ist an seinem Fluch was dran?

#2 RE: Ouroboros von Heliane 15.06.2014 07:55

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Lieber Carlino,

du stellst eine sehr interessante Frage.
Vielleicht hat ER festgestellt, dass die Schlange zu Fragen ermunterte und das konnte ER natürlich nicht dulden. Dass ER mit ihrer Vertreibung ein Wesen schuf, dass an Unabhängigkeit und Vollkommenheit in Form und Sein der SEINEN glich, dürfte IHN mächtig geärgert haben !

Ich mag solche Themen, ganz besonders, wenn sie so kurzweilig bedichtet werden, wie es dir hier gelungen ist. Auch die Wiederholungen von „Schlange, Schlange .....“ gefallen mir sehr gut.

Sehr gerne gelesen!
Herzliche Sonntagsgrüße ins Inselparadies,
Medusa.

#3 RE: Ouroboros von Ostseemöwe 16.06.2014 08:34

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Lieber Carlino,

toll, Du hast diese Frage am Schluss offen gelassen. Ja viele haben da ihre Theorien aufgestellt.
Dein Gedicht kommt gekonnt auf den Punkt und ist schön flüssig ohne Schnörkel zu verstehen.
So finde ich macht es Spass über Mystik nachzudenken.

herzlich Ilona

#4 RE: Ouroboros von Carlino 16.06.2014 18:26

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Liebe Medusa, liebe Ostseemöwe,

dass der Allmächtige solch menschliche Züge wie Eifersucht kennt, macht ihn sympathisch. Vielleicht hat er ja selbst, wie Du Medusa andeutest, Schlangengestalt und sein großer Widersacher Satan ebenfalls. Wie dem auch sei, er hatte nach der Schöpfung, die er ja selbst zu verantworten hat, offensichtlich Probleme, die er in Freudscher Manier auf andere übertrug, daher auch die Vertreibung der Menschen aus dem Paradies!? Und dann die Sache mit der Mystik. Einem der größten Mystiker, Künstler und Poet gleichermaßen, des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts, nämlich William Blake, verdanke ich die Idee mit der Doppelung: Schlange, Schlange... Bei ihm ist's der Tiger! Ich liebe seine Werke, die auch als Vorläufer des Comic aufgefasst werden können.

Euch beiden vielen Dank für die Besprechungen und Euer Lob

Carlino

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