#1 Nebelmüde von anna a. 29.05.2014 16:43

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Langsam verschleiern sich meine hellwachen Augen
Feuchte Kälte - sie schiebt mich voran.
Um mich bloß Menschen, die alle fest saugen,
eine Schwere, die ich kaum mehr aushalten kann.


Der Nebel der Trägheit drängt sich in meine Zellen,
die lose verknüpft laut nach Haltnetzen schreien.
Umwabert vom Dunst düstrer blaugrüner Wellen
versinken sie matt und erschöpft in den Reihen.

Ich spür die Ermüdung , das Fehlen von Kräften
in jeder Bewegung und all meinem Tun.
Der Nebel, der dumpfe, läßt mich trüb entsäften,
nun schweig ich und fühle, möcht heut nur noch ruhn.

#2 RE: Nebelmüde von Jorsch 29.05.2014 17:28

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Liebe Anna Amalia,

auch wenn Dein Gd. noch nebelmüde wabbert,
Deine Wortkreationen sind genial,
lasse bitte Dein Gd. noch etwas mehr in den Fluss kommen!

Lg. Jorsch!

#3 RE: Nebelmüde von Thomas 29.05.2014 17:47

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Liebe anna a.

ich glaube du meinst dass die Menschen sich "festsaugen" und nicht, dass die Menschen "fest" an etwas herum-"saugen", weswegen es zusammengeschrieben werden muss. In sich "entsäften" lassen, wirkt der Umlaut des Reimes willen, für mich jedenfalls.

Falls du, wie ich vermute, durch das Metrum, welches gegen Ende fast daktylisch wird, den Prozess der Ermüdung versinnbildlichen willst, müsstest du meiner Meinung nach am Anfang zuerst einen stoßenden Rhythmus im Ohr des Leser etablieren. Vielleicht meint Jorsch das mit etwas mehr "in Fluss" kommen. Ich würde in der ersten Strophe mit einfachen Metren experimentieren, und wenn das funktioniert dann daraus etwas Komplexes gestalten. Das gilt natürlich alles nur, falls ich deine Intention richtig interpretiert haben.

Liebe Grüße
Thomas

#4 RE: Nebelmüde von anna a. 29.05.2014 18:48

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Wenn ich doch wüsste wie...


Wie nennt man noch gleich metrumminderbegabte ?

Metruminkompetente? Metruminsuffiziente oder metruminkontinente?


Liebe Anna,
ich habe deine Beiträge #4 und #5 zusammengefügt .
Liebe Grüße,
MedusaMOD.

#5 RE: Nebelmüde von Thomas 30.05.2014 08:08

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Liebe anna a.

Nein, sage so etwas nicht. Ich versuche dich mal zu trösten.

Wenn man sich durch das Wort Metrum nicht verwirren lässt, ist es eigentlich ganz einfach. Man denkt bei Metrum erst einmal an die Musik und dieses komische Instrument auf dem Klavier, welches den Takt schlägt, also an etwas recht Äußerliches, fast Aufgezwungenes.

Bezogen auf die Poesie der Sprache meint das Wort jedoch etwas ganz anderes, denn das Zeitmaß ändert sich ja beim Sprechen und einen festen Takt gibt es nicht. In der Poesie bezieht sich Metrum auf etwas, was in der Sprache selbst liegt und zwangsläufig zum Ausdruck kommt, ganz gleich ob in Prosa oder Poesie, und deshalb sehr stark die Wirkung des Gedichts bestimmt (natürlich neben anderen Dingen). Wenn man sich jedes Wort als Blume vorstellt, die ihre eigene Schönheit hat, dann bindet das Metrum dieses zu einem schönen Strauß, und selbst wenn es ein wilder Feldblumenstrauß ist, dann ist das schöner als ein nur ausgerupftes Büschel.

Das Beste, was man darüber lesen kann, ist meiner Meinung nach der "Versuch einer deutschen Prosodie" von Karl Philipp Moritz, welcher schon 1786 erschien, heute aber als Nachdruck erhältlich ist. Ich finde es so gut, weil man die "Denke" von Moritz erkennen kann und nicht einfach Fakten vorgesetzt bekommt. Das normale Forenge-X-e hilft wenig, da nicht klar wird, warum jetzt ein großes X und dann wieder ein kleines x steht, Moritz erforscht warum.

Liebe Grüße
Thomas

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